Was hat die Konferenz in Bonn für das Klima gebracht?

Kleine Fortschritte. Mehr hatte auch niemand erwartet. Die Bonner Klimakonferenz war von Anfang an als eine Art Arbeitstreffen geplant worden, auf dem sich die Regierungen zwar gegenseitig Mut machen und voneinander lernen können – aber keine bahnbrechenden Beschlüsse fassen müssen. Außerdem sollte Bonn das Abkommen von Paris praxistauglich machen – und dabei sind die Delegierten ein ganzes Stück weitergekommen.

Nötig ist das, weil sich die Regierungen in Paris vor zwei Jahren zwar geeinigt haben, das Klima zu schützen und die durchschnittliche Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst sogar unter 1,5 Grad zu begrenzen. Wie das umgesetzt werden soll, blieb aber offen. Seither diskutieren Regierungsvertreter über technische Details und Verfahren. In Bonn ging es zum Beispiel um Fragen wie: Nach welchen Regeln sollen die Emissionen von Treibhausgasen gemessen werden? Welche Hilfe erhalten Länder, die stärker als andere unter den Folgen des Klimawandels leiden? Und, besonders wichtig: Wie müssen künftige Verhandlungen aussehen, damit die Staaten ihre Klimapolitik noch verbessern? Das ist nötig, weil die bisherigen Zusagen der Regierungen nicht reichen, um das Ziel zu schaffen.

Am frühen Samstagmorgen konnten sich die Delegierten in Bonn auf einen 260 Seiten langen Entwurf für ein Regelwerk einigen. Der soll nun gekürzt und von den Regierungen 2018 in Polen beschlossen werden. Das ist schon allein deswegen ein Erfolg, weil es vor der Konferenz die Sorge gab, dass die USA den ganzen Prozess torpedieren würden. Doch obwohl Donald Trump den Austritt der USA aus dem Pariser Abkommen angekündigt hatte, bremste er die Bonner Verhandlungen nicht. Fast noch wichtiger aber war: Keine andere Regierung zweifelt das Vertragswerk mehr an. Das Beispiel der USA hat also keine Schule gemacht.

Im inoffiziellen Teil des Gipfels, den immerhin 22.000 Gäste besuchten, um beim Klimaschutz voneinander zu lernen, bestimmten andere Amerikaner dann die Stimmung. Die Vertreter einer alternativen Delegation aus Gouverneuren, Unternehmern, Bürgermeistern und allerlei Prominenz verkündeten auf jedem Podium, das sich ihnen bot: "Wir sind noch dabei!" Und: "Wir werden das Pariser Abkommen erfüllen, auch gegen den Willen Donald Trumps." Für den Gipfel war das ein wichtiges politisches Signal.

Kommt jetzt der Kohleausstieg?

Nein. Er rückt allerdings näher. Denn in Bonn haben 20 Länder verkündet, dass sie den klimaschädlichen Energieträger bis 2030 aus ihrem Energiesystem verbannen wollen. Zu den Aussteigern gehören zwar einige, die wie Frankreich schon lange auf Atomstrom setzen, aber auch Länder wie Dänemark – in denen noch vor zehn Jahren die Hälfte des Stroms mit Kohle produziert wurde, heute aber immer mehr Windkraft und Gas genutzt werden.

Und auch in den USA, wo Präsident Donald Trump laut für die Renaissance der Kohle wirbt, wird faktisch immer weniger davon verbrannt. Sie ist einfach zu teuer, Gas und vor allem die erneuerbaren Energieträger sind billiger. Zudem erklären immer mehr amerikanische Bundesstaaten und Städte den Ausstieg – unbeeindruckt davon, was der Präsident so redet.

Schwieriger ist die Lage in Schwellenländern wie Indonesien, Ägypten oder Bangladesch, in denen immer noch neue Kraftwerke gebaut werden. Stehen die erst einmal, dann werden sie 30 bis 50 Jahren weiterbetrieben.

Die Zeit wird knapp

Welche Rolle spielt Deutschland in der Klimapolitik?

In Bonn hat sich die Bundesregierung präsentiert wie eh und je: Seit die erste Klimakonferenz 1995 in Berlin von der damaligen Umweltministerin Angela Merkel geleitet wurde, spielt Deutschland international eine sehr aktive Rolle. Inhaltlich – wenn die Staatengemeinschaft zu neuen, ehrgeizigen Klimaschutzzielen gedrängt werden muss. Im Hintergrund – wenn es darum geht, die Regierungen auch nach einem Streit wieder an einen Tisch zu bringen. Finanziell – wenn wie jetzt in Bonn eine Klimaversicherung für besonders gefährdete Länder vorgestellt wurde. 400 Millionen Menschen sollen sich durch diese aus Deutschland angeregte Initiative gegen unvermeidbare Klimaschäden versichern können. Ihre oft armen Regierungen müssen dann im Fall einer Umweltkatastrophe nicht mehr international um Hilfe bitte, sie können die Versicherung nutzen. Außerdem gehörte Deutschland zu den Industrieländern, die den Entwicklungsländern mehr Geld für die Anpassung an den Klimawandel geben, zum Beispiel für besseren Küstenschutz oder die Umstellung der Landwirtschaft.

Doch auf dieser Klimakonferenz registrierten viele internationalen Gäste zum ersten Mal die andere Seite der deutschen Politik: das nationale Versagen. Kein Land fördert mehr klimaschädliche Braunkohle, und bisher konnte sich Deutschland nicht zu einem Ausstieg durchringen. In der Energieversorgung, beim Verkehr oder auch in der Landwirtschaft sind die CO₂-Emissionen zu hoch. Wenn nicht noch ein kleines Wunder passiert, wird die Bundesrepublik die vereinbarten Klimaziele daher nicht schaffen. In Bonn sorgte das dafür, dass der französische Präsident Emmanuel Macron bei seiner Ankunft deutlich mehr Applaus erhielt als die Klimakanzlerin Angela Merkel.

Was muss passieren, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen?

Für die Klimadiplomaten mag Bonn ein Erfolg gewesen sein, aus Sicht der Wissenschaft geht es auf den Gipfeln viel zu langsam voran. Denn derzeit steigen die schädlichen Treibhausgasemissionen weiter, statt zu sinken. Das liegt auch an der Art und Weise, wie heute Klimapolitik betrieben wird, denn die geht so: Jedes Land, das dem Pariser Abkommen beigetreten ist, muss bei den Vereinten Nationen (UN) seine Pläne hinterlegen – jede Regierung entscheidet also selbst, wie und wie viel CO₂ sie einsparen will. Für die Diplomaten hat sich das Prinzip der Freiwilligkeit bewährt: Anders hätten in Paris wohl nicht alle Länder einem gemeinsamen Abkommen zugestimmt. Doch die bisher bei den UN registrierten Versprechen reichen nicht aus, um die zwei Grad zu schaffen. Kommt künftig so viel CO₂ in die Atmosphäre wie geplant, führt das eher zu einer Erwärmung von drei Grad. Oder sogar zu noch mehr.

In Bonn haben die Delegierten deshalb vereinbart, im kommenden Jahr ausführlich darüber zu sprechen, wie die Politik ambitionierter werden kann – und das auch außerhalb des streng ritualisierten Verhandlungsrhythmus. Beispielsweise sollen Wissenschaftler und Umweltschützer künftig mehr mitreden dürfen.

Doch die Zeit wird knapp. Und damit gleichzeitig die Lage immer dringlicher. Um in großem Maße CO₂ einzusparen, müsste die Wirtschaft vieler Länder grundlegend verändert werden: weg von der Kohle als billigem Stromlieferanten, weg vom Öl als der Basis von Treibstoff, Dünger und anderen Chemikalien, weg von der Massenproduktion in der Landwirtschaft, ihrem enormen Verbrauch von Flächen, Wasser, Pestiziden und Düngemitteln. Je später die Regierungen diesen Wandel angehen, desto schwieriger – und teurer – wird er.