Am 10. November war es wieder so weit. Die saudische Luftwaffe griff Ziele in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa an, die von Rebellen kontrolliert wird. Zwei Bomben trafen das Verteidigungsministerium, eine schlug in einem Wohngebiet ein. Von vielen Verletzten und Verschütteten sprachen Augenzeugen gegenüber internationalen Medien. Erst Anfang des Monats waren mindestens 26 Menschen bei Luftschlägen im Nordjemen getötet worden.

Der Krieg im Jemen fordert immer mehr Opfer. Und es gibt eine Verbindung ins ferne Deutschland. Denn bei den Attacken von Kampfjets wird regelmäßig auch deutsche Rüstungstechnologie eingesetzt. Saudi-Arabien verfügt über Eurofighter- und Tornado-Jets, deren Teile von Airbus und seinen Partnern auch in Deutschland hergestellt werden. Zudem kauft das Land Bomben und Raketen bei deutschen Konzernen.

Und das, obwohl Saudi-Arabien seit Längerem eine aggressive Außenpolitik verfolgt. So greift es nicht nur seit Anfang 2015 in den Bürgerkrieg im Nachbarland Jemen ein und führt eine Militärallianz arabischer Staaten an. Auch im Bürgerkrieg in Syrien sind die Saudis aktiv, und die Regierung mischte sich zuletzt stärker in die Innenpolitik des Libanons ein. Dessen Ministerpräsident trat jüngst bei einem Besuch in Saudi-Arabien von seinem Amt zurück. Im Libanon behaupten Politiker, dass dieser Schritt in Riad erzwungen worden sei.

An den deutschen Rüstungsexporten nach Saudi-Arabien hat das alles nichts geändert. Im dritten Quartal 2017 erteilte die Bundesregierung in Deutschland ansässigen Firmen Ausfuhrgenehmigungen für Waffen und Rüstungstechnologie im Wert von 148 Millionen, dreimal so viel wie im dritten Quartal 2016. Darunter sind unter anderem Patrouillenboote, Lastwagen und Flugzeugteile. Das räumte die Bundesregierung in der Antwort auf eine Frage des Abgeordneten Stefan Liebich von den Linken ein, die der ZEIT vorliegt. "Im Jemen verhungern die Menschen wegen der saudischen Seeblockade", sagt Liebich, und die Regierung genehmige die Lieferung der Instrumente dafür. "Das muss sofort ein Ende haben!"

Dabei sollte mit solchen Exporten eigentlich Schluss sein. Waffenlieferungen an Unrechtsregime, die die Bevölkerung unterdrückten, werde es nicht mehr geben, erklärte Sigmar Gabriel Anfang 2014 als für Rüstungsexporte zuständiger Bundeswirtschaftsminister. Es ging vor allem um Saudi-Arabien. Aber auch als Außenminister und Vizekanzler redet er bei der Genehmigung der Ausfuhren mit.

Dennoch hat der Bundessicherheitsrat, ein geheim tagendes Gremium des Bundeskabinetts, allein in diesem Jahr den Export von sechs Patrouillenbooten genehmigt. Antragsteller für den Export ist die Lürssen Werft mit Sitz in Bremen. Das deutsche Familienunternehmen erhielt von den Saudis einen Milliardenauftrag für Dutzende Boote. Deren Ausfuhren hat die Bundesregierung sogar mit Hermes-Bürgschaften abgesichert.

Und schon 2016 genehmigte die Bundesregierung den Export von Hubschraubern, Radar-Systemen und Teilen für Kampfflugzeuge in Höhe von gut 530 Millionen Euro nach Saudi-Arabien. Damit lag das Land auf dem dritten Platz der Empfänger deutscher Rüstungstechnologie.