Der Akku lag auf dem Asphalt, das Display war zerbrochen, neben der Frontkamera meines Smartphones klaffte ein Loch, so tief, dass ich ins Innerste blicken konnte. Beim Fahrradfahren war mir mein Handy aus der Jackentasche gerutscht und auf die Straße geknallt. Das war das Ende, und ich war froh darüber. Endlich war mein Fairphone kaputt, mein faires Smartphone.

Unsere Geschichte hatte zweieinhalb Jahre zuvor begonnen. Bis dahin benutzte ich ein altes Handy, mit dem ich SMS verschicken und telefonieren konnte. Ein Smartphone wollte ich nicht. Immer wieder berichten Amnesty International, Germanwatch und andere Organisationen Schlimmes über die Produktion und die Gewinnung der dafür nötigen Rohstoffe: von Siebenjährigen, die in Minen Kobalt schürfen; einem Krieg im Kongo, der mit dem Export von Rohstoffen finanziert wird; von mies bezahlten Arbeitern und Quecksilber, das Seen vergiftet.

Dann machte ich ein Praktikum in Ecuador. Zu viel Zeit verbrachte ich damit, eines der sehr wenigen Internetcafés zu finden, in denen Computer mit Webcams standen – damit ich meinem Freund und meinen Eltern winken konnte. Wie viel einfacher wäre es gewesen, hätte ich ein Handy mit einer eingebauten Kamera besessen. So wollte ich schließlich doch ein Smartphone, aber wenn schon, ein nicht so skrupelloses.

Ich hatte von einer kleinen Firma aus Amsterdam gehört, die fair gehandelte Smartphones herstellt. Unter anderem, weil sie für einige Rohstoffe die komplette Lieferkette kontrolliert und verspricht, dass die Erträge aus dem Handel keine Konflikte finanzieren. Weil sie die Arbeitszeiten von chinesischen Arbeitern überprüft und diese selten 60 Stunden überschreiten. Und weil sie in ihrem Fairphone fair gehandeltes Gold verbaut. Antonia Reichwein von Germanwatch lobt das Fairphone bis heute: "Im Vergleich dazu, was andere Firmen machen, ist Fairphone klarer Vorreiter, auch wenn es natürlich noch Verbesserungsbedarf in einigen Punkten gibt." Dass das Gerät komplett fair und gerecht produziert wird, behauptet der Hersteller nicht. Ich bestellte eines. 300 Euro war mir das Handy wert, relativ lange dauerte es bis zur Lieferung. Als ich drei Monate später wieder in Deutschland ankam, war es seit wenigen Tagen da. Auf dem Versandkarton, unter bunten Stempeln wie in einem Reisepass, stand: "This is Your Phone – It’s been around the world and back but now it’s here to meet its owner." Von den Problemen, die mir das Gerät bereiten würde, ahnte ich damals nichts. Auch nicht, dass ich am Ende frustriert den Fairphone-Gründer in Amsterdam besuchen würde.

Ich zog nach Berlin und begann meinen Master an der Freien Universität. Hier gab es viele Menschen mit einem Fairphone, die bald zu meinen Freunden wurden. Das Telefon war, als würden wir die gleiche Musik hören. Ein Erkennungszeichen, dass wir uns verstehen werden.

Die Schwierigkeiten begannen mit den regelmäßigen Softwareupdates. Nicht immer aktualisierte sich mein Fairphone unbemerkt. Einmal war die Schrift plötzlich so groß wie in Büchern für Senioren ohne Lesebrille.

Dann brachen meine Telefongespräche häufig ab. Erst dachte ich an schlechten Empfang, später merkte ich: Das Display schaltete sich an und aus, während ich telefonierte. Mit meiner Wange drückte ich auf den Balken zum Auflegen, offenbar hatte der Sensor ein Problem mit der Empfindlichkeit. Ich gewöhnte mich auch daran. Mit meinen Freunden wurde regelmäßiges Gesprächsthema, was die Fairphones wieder gemacht hatten.