Webseiten, die wegen Zeitüberschreitung stillstehen, ruckelnde Videos und Skype-Telefonate, die aufgrund einer schlechten Verbindung getrennt werden – Deutschlands jämmerliche Versorgung mit schnellen Breitband-Internetzugängen droht zur nationalen Blamage zu werden. Während weniger als einer von zehn deutschen Breitbandanschlüssen den "heiligen Gral" der Netzgeschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde erreicht, sind es in Ländern wie Lettland und Schweden fast die Hälfte und in Rumänien sogar annähernd 60 Prozent.

Japan ganz vorne

Anteil der Glasfaser-Internetzugänge in Prozent

Quelle: OECD Broadband statistics © ZEIT-GRAFIK:Doreen Borsutzki

Noch alarmierender ist: Bis ins vergangene Jahr hinein verfügte mehr als ein Viertel der Haushalte in Deutschland lediglich über quälend langsame Datenverbindungen von weniger als zehn MBit/Sekunde. In Großbritannien waren nur noch sieben Prozent der Breitbandanschlüsse so langsam, in den Niederlanden drei Prozent.

Die große Koalition aus CDU/CSU und SPD hatte über das Problem vier Jahre lang diskutiert – und es de facto vertagt. Sie konnte sich nicht dazu durchringen, große Summen öffentlicher Gelder für die digitale Infrastruktur aufzubringen. Ohne die werde es aber keinen echten Fortschritt geben, sagt Marco Junk, Geschäftsführer des Bundesverbands Digitale Wirtschaft.

Auch die Partner einer möglichen Jamaika-Koalition hatten die Notwendigkeit erkannt. Aber indem sie ihre Verhandlungen scheitern ließen, verlängerten sie den unbefriedigenden Status quo um Monate, wenn nicht Jahre. Derweil die Rufe immer drängender werden, Deutschlands digitale Infrastruktur endlich ins 21. Jahrhundert zu wuchten.

Die mangelnde Bereitschaft, Steuergelder in die Infrastruktur zu stecken, ist einer der beiden Hauptgründe für das langsame Internet in Deutschland. Der zweite sind die Kupferkabel, die vor dreißig bis fünfzig Jahren überall verlegt wurden, als die ehemals staatliche Deutsche Bundespost die Wohnungen im Land ans Telefonnetz anschloss. Über diese Kabel geht immer noch ein Großteil der Bevölkerung ins Internet.

Die Anbieter von Internetanschlüssen, allen voran die Deutsche Telekom, befürworten bislang einen Prozess namens "Vectoring", um die Verbindungen über die bestehende Infrastruktur zu beschleunigen. Diese Technik soll Störungen durch andere Internetnutzer in der Leitung beseitigen, um näher an die mögliche maximale Übertragungsgeschwindigkeit von Kupferkabeln heranzukommen. Der finanzielle Aufwand dafür ist sehr überschaubar, aber als Infrastruktur für eine digitalisierte Wirtschaft reicht auch ein optimiertes Kupferkabel bei Weitem nicht aus.