Suite 314, 2.000 Euro die Nacht. Vier-Jahreszeiten-Direktor Ingo C. Peters, 55, hat selbst schon hier geschlafen, um die Qualität zu überprüfen. Es ist die Prominenten-Suite. Aber welche Stars hier genächtigt haben? Das fällt ihm nicht ein. In 20 Jahren als Hoteldirektor hat Peters Königinnen, Scheichs, Bundeskanzler und Touristen empfangen. Da kann man schon mal den Überblick verlieren. Eine Mitarbeiterin hilft: Hier schliefen unter anderem Sir Peter Ustinov, Thomas Mann, Susan Sarandon und Thomas Gottschalk.

DIE ZEIT: Sie sagten kürzlich: "Über drei Dinge reden wir nie: Politik, Religion und Geld." Ist das ein Hoteliers-Kodex?

Ingo C. Peters: Das sind Grundregeln der Luxushotellerie, die man in der Ausbildung lernt. Die Gäste kommen hierher, weil sie sich wohlfühlen wollen. Ich sage immer, wir sind wie Schauspieler auf der Theaterbühne. Wir müssen jeden Tag gute Laune haben, mit Freude dabei sein.

ZEIT: Fällt Ihnen dieses Schauspiel leicht?

Peters: Das ist zu meinem Naturell geworden. Ich sage mir immer: Was habe ich für ein Glück, dass ich hier arbeiten darf! Wenn ich meine Karriere noch mal vor mir hätte, ich würde es genau so wieder machen.

ZEIT: Sie haben 1981 direkt nach dem Abitur hier angefangen.

Peters: Als Page im Praktikum. Wir wurden gedrillt, wie man dem Gast gegenübertritt, dass die Fingernägel sauber zu sein haben, die Schuhe poliert. Man musste schwarze Socken tragen, es gab sogar einen vorgeschriebenen Haarstil.

ZEIT: Es soll in dieser Stadt einen Direktor gegeben haben, den bunte Socken die Stelle gekostet haben.

Peters: Bunte Socken sind Teil einer Einstellung. Wir haben eine sehr detaillierte Kleiderordnung und geben unseren Angestellten ein Büchlein, in dem steht: Wie mache ich mir die Haare, wie mein Make-up, was für Schmuck dürfen wir tragen. Ich kann an freien Tagen auch nicht in einer Ripped Jeans durch die Gänge laufen oder unrasiert.

ZEIT: Sie wohnen selbst im Hotel?

Peters: Ja. Wenn ich an freien Tagen durchs Hotel laufe, denken meine Mitarbeiter, dass ich im Dienst bin. Dann laufe ich lieber durch den Hinterausgang raus.

ZEIT: Kriegen Sie nie einen Hotel-Koller?

Peters: Wir haben noch ein Haus an der Ostsee. Da kann ich in Gummistiefeln durch den Garten laufen, keiner kennt mich.

ZEIT: Sie bezeichnen das Vier Jahreszeiten als Ihre Lebensaufgabe. Steht es ganz oben auf Ihrer Prioritätenliste?

Peters: Bis vor einem Jahr stand das Hotel zu 100 Prozent an erster Stelle. Seit wir einen kleinen Sohn haben, liegt es auf Platz zwei.

ZEIT: Ihre arme Frau!

Peters: Die steht natürlich mit Conrad auf Platz eins. Sie versteht zum Glück, dass es sich hier um einen 60- bis 80-Stunden-Job handelt, der einen an Wochenenden, Ferien und Feiertagen bindet.

ZEIT: War Ihnen das klar, als Sie sich für die Hoteliers-Laufbahn entschieden haben?

Peters: Richtig klar wurde mir das erst, als ich hier angefangen habe. Früher haben wir am Wochenende Party gemacht. Dann hatte ich Samstag Spätschicht und Sonntag Frühschicht. Mein Freundeskreis hat sich damals komplett verändert.

ZEIT: Viele Freunde verloren?

Peters: Mit zweien habe ich heute noch regen Kontakt. Den Rest habe ich aus den Augen verloren. Die hatten früh andere Prioritäten.

ZEIT: Warum haben Sie sich fürs Hotel entschieden?

Peters: Ich wollte etwas Praktisches machen. In einer Zeitschrift las ich vom Berufsbild des Hoteliers, das gefiel mir: mit Menschen zu tun haben, im Ausland arbeiten. Da stand, dass man schnell in eine Managementposition kommt, ohne studieren zu müssen. Hotelier ist ein praktischer Beruf, der sich auf Erfahrung beruft, auf Bauchgefühl.

ZEIT: Wie reagierte Ihre Familie?

Peters: "Da kommt der Kellner nach Hause." Das hat richtig Krach gegeben. Ich komme aus einer Akademikerfamilie, in allen Generationen. Man machte Abitur, keine Diskussion, und studierte. Mein Vater hätte mich lieber als Architekt oder Ingenieur gesehen. Meine Mutter ist approbierte Apothekerin. Mich hat das alles nicht interessiert.

ZEIT: Sie bewarben sich im Vier Jahreszeiten, machten ein Praktikum als Page und die Ausbildung zum Hotelier. Gab es als Page viel Trinkgeld?

Peters: Ja! Ich war pfiffig. Ich habe öfter den Wagenmeister an der Eingangstür vertreten. Es gibt Gäste, die ihr Auto direkt vor der Tür parken wollen, damit sie gesehen werden. Eigentlich ist das nicht erwünscht. Wenn der Gast zurückkam, habe ich gesagt: "Sie haben mich richtig in die Bredouille gebracht." Ich habe ihnen ein schlechtes Gewissen gemacht. Dann habe ich umständlich den Schlüssel aus dem Wagenmeister-Büro geholt, damit der Gast in der Zeit in seinem Portemonnaie kramen konnte.