Eine enge Kurve, und schon geht es raus aus dem Alltag. Noch immer, auch nach zehn Jahren noch, sind die ersten Schritte, die aus dem Kassenraum ins Museum führen, eine Überraschung. Hochkunst und Triviales treffen hier in der einmal jährlich wechselnden Ausstellung aufeinander, und immer ist es eine Entdeckung. Hauptsächlich beherbergt das Kolumba Museum, entworfen von Peter Zumthor, christliche Kunst aus Schenkungen, Wohnungsauflösungen und Kirchen; dazu kommen zeitgenössische Kunstwerke. Und allein diese Konfrontation, hier das "Christliche", dort das "Moderne", hebt das Kolumba deutlich ab von dem, was andere Museen zeigen. Diesmal allerdings ist es noch einmal anders: Das Römisch-Germanische Museum ist zu Gast.

Gleich zu Beginn des Rundgangs erwartet uns eine überlebensgroße Maske der Medusa, von der man ja weiß, dass sie mit ihrem Blick töten konnte. Sie liegt merkwürdig schräg auf dem Boden, als wäre sie beim Aufbau dort vergessen worden. Sonst, in ihrem Stammhaus, begrüßt Medusa das Publikum von einer Wand hoch oben im Foyer aus und wirkt geradezu angsteinflößend. Hier auf dem Boden sehen wir nur einen abgeschlagenen Kopf. Das Böse scheint besiegt. Warum aber sieht der Sockel aus wie eine Holzpalette? Wurde Medusa doch vergessen? Wohl kaum. Im Kolumba ist jeder Millimeter Kalkül. Wer jetzt noch einmal hinschaut, merkt: Der Kopf ist so zur Fensterfront gerückt, dass die Besucher unbehelligt vom todbringenden Antlitz die nächste Treppe erreichen können. Lachen Sie, wenn Sie sich trauen. Die Akustik des Zumthor-Baus ist so hellhörig wie die eines Kirchenraums.

Pas de deux heißt die aktuelle Schau. Hätte das Römisch-Germanische Museum nicht wegen Renovierung geschlossen, wäre sie womöglich nicht zustande gekommen. Insgesamt acht Kuratorinnen und Kuratoren aus beiden Häusern waren beteiligt: so viel Manpower wie selten für eine einzige Präsentation. Allein die antiken Objekte in diesen großartigen Räumen zu sehen ist ein Gewinn. Doch erst im Nebeneinander mit zeitgenössischer Kunst zeigt sich das gesamte Ausmaß der geglückten Zusammenarbeit.

Die beiden Epochen verschmelzen unvermittelt miteinander, etwa bei den drei Graburnen, die im ersten Obergeschoss neben einem Red Painting von Joseph Marioni zu sehen sind. Fast zweitausend Jahre liegen zwischen dem Acrylbild und den Kalksteingefäßen, deshalb braucht es eine Weile, diese zeitliche Entfernung zu begreifen. Beide Arbeiten sind extrem zurückgenommen: Das Bild geht auf in seiner Funktion als Farbträger, die Urnen dienen als Schutz für die eigentlichen Aschebehälter. Ihre Schmucklosigkeit lässt sie modern aussehen, doch nur Marioni setzt bewusst auf die Abstraktion. Bei den Urnen hilft das Kuratorenteam nach: Ohne Sockel wirken sie wie schlichte Alltagsgegenstände, der spiegelnde Boden verdoppelt sie zu symmetrischen Chiffren des Abstrakten.

Vor allem ist es das wohldosierte Licht, das den Gegenständen einen Resonanzraum gibt. Kaum jemand wird den Schlafenden Heiligen Petrus, eine Holzfigur aus dem 16. Jahrhundert, je so perfekt ausgeleuchtet gesehen haben wie hier im Kolumba. Umgekehrt schiebt das fast schwarze Dunkel des Raumes eine Glasschale des tschechischen Glaskünstlers Jan Adam so weit aus der Zeit, dass ihre unsaubere Glasstruktur und der abgestoßene Rand wie Spuren einer vergangenen Epoche wirken.