Fedor Holz will sich wohlfühlen. In den Büros seiner Firma in Wien liegen gleich am Eingang Pantoffeln bereit. Eine Wand ist behangen mit Moos, das soll die Luft frisch halten. Von der Decke baumeln runde Lampen, darunter stehen Schreibtische und Designersessel. Seine Mitarbeiter programmieren hier eine App, genannt Primed Mind, mit der Nutzer Coachingkurse durchlaufen können, etwa um mehr Selbstvertrauen zu gewinnen oder gesünder zu leben. Alles hier sieht nach Start-up aus, nichts erinnert an Poker. Außer dem Gründer selbst: Holz, 24, ist einer der erfolgreichsten Spieler der Welt. Mehr als 26 Millionen Dollar hat er erpokert – und Geld ist unter den Profis der Maßstab für Erfolg. Was bedeutet es ihm? Wir zitieren seine wichtigsten Geld-Sätze – und erzählen seine Geschichte.

"Geld war für mich immer ein Thema und zugleich: nie ein Thema."

Aufgewachsen ist Holz in Saarbrücken, seine Mutter zog ihn und seine Geschwister allein groß. Das Geld war immer knapp, doch ernsthaft als Problem erlebte er das nur selten. Zum Beispiel als er acht Jahre alt war. Schulpsychologen hatten ihn als hochbegabt eingestuft, er spielte Schach, hatte sich sogar für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert. Die Reise zum Turnier scheiterte fast an Geldproblemen der Familie. Dann berichtete die Lokalzeitung, eine ältere Frau hörte davon und übernahm die Kosten.

"Anfangs habe ich vor allem verloren und mich an manchen Tagen nur von Toastbrot ernährt."

Mit 16 Jahren fing Holz an, Poker zu spielen, zockte erst mit Freunden um Centstücke, später im Internet um mehr. Er fing ein Informatik-Studium an und brach es schnell ab. Es folgte eine Phase, in der er an manchen Tagen spät aufstand, viel pokerte, wenig gewann. Sein Leben stand auf der Kippe. Bis er sich ein Herz fasste und mit anderen Spielern in eine WG in Wien zog. Er pokerte erst nur im Netz, dann bei Live-Turnieren, seine Gewinne stiegen kontinuierlich. 2016 schließlich knackte er in Las Vegas einen legendären "High Roller". Prämie: 4.981.775 Dollar.

"Es ist doch supercool, dass es beim Poker um so viel Geld geht."

Poker, sagt Fedor Holz, sei Wettbewerb in seiner reinsten Form, man spiele um echtes Geld, kriege nichts geschenkt. Und man brauche kluge Strategien, um nicht in falsche Denkmuster zu verfallen. "Wenn du acht Spiele in Folge gewinnst, denkst du sonst: Wer soll mich noch aufhalten?", sagt Holz, "aber das ist irrational und macht leichtsinnig." Vor allem müsse man lernen, seinen Gegner zu lesen: verstehen, wie er wann agiert, die feinen Unterschiede seines Verhaltens erkennen, die eigenen Züge daran anpassen. Und schließlich dürfe man nie zu viel riskieren, sagt Holz. Er selbst setze bei Turnieren maximal ein Prozent seines Vermögens ein – früher eben 50 Euro, heute schon mal 100.000.

"Zwischen 300.000 Euro und zehn Millionen Euro Vermögen ist kaum ein Unterschied."

Trifft man Fedor Holz, merkt man ihm sein Geld nicht an. Er kommt angeradelt, trägt ein unauffälliges T-Shirt, begrüßt seine Mitarbeiter wie Freunde. Klar, Geld eröffne viele neue Möglichkeiten, sagt er, die richtigen zu wählen sei nicht leicht. Etwa in welche Ideen er investiere. Gerade hat ihn ein Unternehmer überzeugt, mit ihm eine Sprachenlern-App zu entwickeln, erzählt Holz, "der hatte eben richtig Drive dahinter". Sein Start-up sieht Holz eher als Organismus denn als Maschine. Als Gründer will er Dinge ausprobieren, Neues lernen, Gewinne sind erst mal nicht so wichtig. Ohnehin seien es ja nicht die Millionen, die ihm Sicherheit verschafften, sondern seine Erfahrungen. "Wenn ich morgen wieder auf null wäre, wüsste ich sofort 20 Dinge, die ich starten könnte."

"Pure Selbstlosigkeit gibt es nicht."

Als Holz die erste Million gewann, im Jahr 2014, da versprach er öffentlich, seiner Familie ein Haus bauen, um deren Lebensqualität "erheblich zu verbessern", das sei seine "größte Motivation" gewesen. Inzwischen ist es fast fertig. Wie findet er es aber, dass manche Menschen ihr Hab und Gut beim Poker riskieren? Poker sei sicher nicht die Ursache für deren Probleme, sagt Holz nur, sondern das Symptom. "Würde ich aufhören, Poker zu spielen, würde ich also die Probleme dieser Leute nicht lösen."

"Wir werden in den nächsten Jahrzehnten Millionen an Steuern zahlen."

Poker spielt Holz heute nur noch selten, er sagt, als Unternehmer könne er mehr bewegen. Manchmal tritt er aber schon noch an, es lohnt sich eben sehr. Und in Österreich, wo Holz lebt, müssen Profispieler ihre Gewinne nicht versteuern – anders als in Deutschland. Ein schlechtes Gewissen? Hat er deswegen nicht. "In den kommenden Jahren wird sicher noch genug Geld von mir zurückkommen."