Die Trappistenbrüder der Abtei Mariawald hätten sich wohl nie vorstellen können, dass ihre Erbsensuppe einmal zum Luxusprodukt werden würde. Einst diente ihr Gericht der Armenspeisung, entsprechend simpel sind seine Zutaten: Erbsen, Gewürze, Rinder- und Schweinefett. Das musste reichen. Hauptsache, die Hungernden wurden satt. Wer in der Gegend zwischen Köln und Aachen unterwegs ist, kann heute noch in der Klosterschenke einkehren und sie bestellen. Auf jedem Tisch steht eine Flasche Maggi, ganz schnörkellos.

Doch vor einiger Zeit erhielt die Suppe eine neue Bestimmung. Da bekamen die Trappistenbrüder und ihr Verwalter aus einer etwas anderen Welt die Anfrage, ob sie nicht mal ihren Absatzmarkt erweitern wollten. Seitdem bietet das Edelkaufhaus Manufactum, der Versandhandel der Großstädter, die Suppe als "Pilgerspeise aus der Eifel" an – in seinem Sonderkatalog für "Gutes aus Klöstern". Für 7,90 Euro bringt der Paketbote den Doseneintopf nach Hause. Das Gericht ist nun Teil einer der erstaunlichsten Geschichten im deutschen Versandhandel.

Die Klostersparte von Manufactum hat 300 Produkte im Angebot – von der Gesichtscreme aus dem Monastero di Camaldoli bis zur CD mit gregorianischen Gesängen. Manufactum hat das ursprünglich selbstständige Klostergeschäft vor 18 Jahren übernommen. Detaillierte Zahlen gibt das Unternehmen nicht heraus, aber der Umsatz steige seit einigen Jahren, heißt es.

Was reizt die Deutschen, von denen viele nicht mehr in die Kirche gehen, an dem, was Mönche und Nonnen mindestens seit Jahrzehnten so schmieden, schnitzen, brauen, anbauen, keltern oder sonst wie produzieren? Gibt es in einer beschleunigten Welt so etwas wie die Flucht in den spirituellen Konsum? Und isst man jetzt in den Altbauvierteln von Hamburg, Berlin oder München Kloster-Erbsensuppe auf der Suche nach dem Wahren und Guten?

Dass man heute bei Manufactum neben Pferdelederschuhen zu 769 Euro, Schweizer Armeedecken für 172 Euro das Stück und Rasierpinseln aus Dachshaar zu 56 Euro auch Klosterware bekommt, hat maßgeblich mit zwei Männern zu tun: mit Papst Benedikt XVI. und dem Journalisten Peter Seewald. Die Geschichte seiner Idee erzählt der Münchner auf Bayerisch.

Seewald arbeitete im Münchner Büro des Spiegels, dann beim Stern und schließlich in den 1990ern beim SZ-Magazin. Unter den Kollegen in München galt er als jemand, der sich mit mancher Geschichte mehr traute als andere: Für das damals noch junge Magazin war er etwa in Peking, im Ural und in einem Bordell in Ingolstadt.

Irgendwann kommt die Redaktion auf die Idee, man könne doch den Seewald nach Rom schicken, auf dass er ein Porträt des Kardinals Ratzinger schreibe – des Präfekten der Glaubenskongregation. Die Begegnung verspricht viel Spannung: auf der einen Seite der umtriebige Seewald, als Kind Ministrant, später Kommunist und Herausgeber verschiedener kommunistischer Blätter in Passau, auf der anderen Seite Joseph Ratzinger, der für die meisten in der Redaktion Roms weltferner Großinquisitor war.

Doch der Text, den Seewald zurückbringt, wird anders, als es die Redaktion erwartet: Seewald sagt, seine Gespräche mit dem konservativen Kardinal hätten sein Leben verändert: Er, der sich schon vorher sehr langsam wieder dem Katholizismus angenähert hatte, schwärmt von der sprachlichen und geistigen Schärfe Ratzingers, von seiner Ernsthaftigkeit. Das Gespräch ist der erste Schritt auf Seewalds Weg zurück in die Kirche und der Beginn einer zweiten Karriere. Er tritt wieder ein und veröffentlicht mit Ratzinger das Interviewbuch Salz der Erde, das in Dutzende Sprachen übersetzt wird und immer wieder nachgedruckt werden muss. Bis heute arbeiten sie gemeinsam an Büchern.