1. Lektion: Was Fonds von Aktien unterscheidet

Die wichtigsten Erfindungen der Menschheit? Da kommt eine Antwort den wenigsten in den Sinn: der Topf. Gerade er war ein Meilenstein der Menschwerdung, sagen Anthropologen. Töpfe ermöglichten es, ungenießbare Pflanzen zu essen und komplexe Speisen zuzubereiten. Und ganz ähnlich ist es mit Anlagefonds.

Einen Fonds kann man sich vorstellen wie einen großen Geldtopf, in den viele Leute kleine Beträge hineinwerfen, mal nur 50, mal ein paar Hundert, mal ein paar Tausend Euro. Von dem Kapital werden verschiedene Zutaten besorgt: unterschiedliche Wertpapiere, beispielsweise Aktien. Wenn das Kapital lange geköchelt hat, ist das, was man herausbekommt, viel reichhaltiger als das, was man anfänglich hineingeworfen hat. Und als das, was man allein hätte zubereiten können. Für 1.500 Euro bekäme man zurzeit gerade einmal drei Puma-Aktien oder zehn von Apple. Und hätte damit eine sehr eintönige Suppe: Einzelne Wertpapiere bedeuten immer auch ein großes Risiko. Hat man zufällig auf die falsche Aktie gesetzt, kann man viel verlieren. Je mehr unterschiedliche Wertpapiere man hat, desto eher gleichen die gut laufenden Aktien die schlecht laufenden aus. Als Faustregel gilt: Mindestens ein Dutzend unterschiedliche Papiere gehören ins Depot.

Oder ein Fonds, in dem sogar mehrere Hundert einzelne Papiere stecken können. Oft bekommt man am Ende auch eine größere Menge aus dem Fondstopf heraus, als man eigentlich hineingeworfen hat, jedenfalls wenn man lange genug wartet. Fonds sind also Meilensteine der finanziellen Evolution.

2. Lektion: Offene Fonds und geschlossene Fonds

Wer aber Geld in einen Fonds investieren will, muss sich für eine Zubereitungsart entscheiden. Es gibt die offenen Fonds und die geschlossenen Fonds. Offene Investmentfonds sind das, was die allermeisten Menschen meinen, wenn sie von Fonds reden. Es sind riesige, offene Geldtöpfe, in die man jederzeit Geld hineingeben kann und aus denen man auch jederzeit wieder sein Geld abziehen kann – ohne eine bestimmte Garzeit abzuwarten. Diese Fonds sind außerdem recht transparent: Sie veröffentlichen regelmäßig, welche Wertpapiere sie halten und wie viel die einzelnen Fondsanteile wert sind. Manche dieser Publikumsfonds umfassen viele Millionen Euro oder gar Milliarden Euro. Allein hierzulande verkaufen die rund 150 Fondsgesellschaften über 8.000 verschiedene Fonds. Insgesamt steckt laut dem Fondsverband BVI knapp eine Billion Euro deutscher Privatanleger in solchen offenen Sammelstellen. Wenn man noch die Spezialfonds hinzurechnet, in die Großinvestoren wie Versicherungen, Pensionskassen und Banken investieren, dann sind es sogar 2,8 Billionen Euro. Offene Fonds sind also sehr beliebt.

Geschlossene Fonds dagegen führen eher ein Nischendasein, darin stecken hierzulande laut deren Verband BSI nur geschätzte 200 Milliarden Euro – aus gutem Grund. Sie sind ungleich gefährlicher, das Verlustrisiko für Sparer ist hoch. Das liegt daran, dass diese Alternativen Investments-Fonds (AIF) meist kleine Töpfe sind, bei denen über einen begrenzten Zeitraum Geld für ein bestimmtes Projekt eingesammelt wird, etwa für den Bau eines Hochhauses oder für eine Windkraftanlage. Dafür reichen einige Millionen Euro.

Ist die angepeilte Summe beisammen, wird der Topf fest verschlossen. Man kann ab jetzt von außen nicht mehr wirklich hineingucken, die Transparenz bei solchen Fonds ist nicht sehr hoch, sie geben wenig Daten heraus. Von nun ab köchelt alles lange vor sich hin, meist 10 oder 15 Jahre – und die Sparer können auch nichts mehr aus dem Topf holen oder ihre Anteile mit Gewinn weitergeben. Wenn alles gut läuft, entweicht jedes Jahr eine kleine Zinszahlung – als Appetitanreger sozusagen. Am Ende der Laufzeit wird dann der Deckel gelüftet und der Topfinhalt restlos unter allen aufgeteilt – falls noch etwas darin ist und nicht der gesamte Inhalt inzwischen verkocht ist.

Beispiele dafür gab es zuhauf: Geschlossene Immobilien-, Schiffs-, Medien- oder Windkraftfonds haben schon viel Geld verbrannt, zu den bekannteren jüngeren Beispielen gehört der Windparkbetreiber Prokon. Das Verbraucherministerium schätzte die Schäden durch geschlossene Fonds auf Milliardenhöhe und warnte, die Hälfte der Initiatoren sei unseriös. Neue Gesetze regulieren den Markt zwar strenger, aber Verbraucherschützer mahnen, höchstens kleine Summen in geschlossene Fonds zu stecken – wenn überhaupt. Solche Fonds sind nämlich Unternehmensbeteiligungen, bei denen der Sparer im schlimmsten Fall alles verlieren kann.

3. Lektion: Aktive und passive Fonds

Bleiben wir bei offenen Fonds, bei denen wiederum aktive und passive Fonds zu unterscheiden sind. Jeder aktive Fonds wird von einem Experten gemanagt: Er sucht die Zutaten aus und bestimmt, zu welchen Anteilen sie in den Topf gelangen. Er rührt auch ständig in der Mischung herum oder würzt sie mit Wertpapieren, die er für besonders aussichtsreich hält. Dafür erhält er eine Belohnung von den Anlegern, die Verwaltungsgebühren. Im besten Fall lohnen sich diese Zusatzkosten, weil der Fondsmanager dank seiner Expertise mehr Rendite erzielt, als die Anleger bei einem Kauf des Index bekommen würden. In den meisten Fällen aber gelingt es den Fondsmanagern nicht, den Markt zu schlagen, wie Studien von Ökonomen immer wieder belegen. Immerhin: Ganz wertlos werden solche offenen Fondsanteile selbst bei einer Bankpleite nicht, denn sie sind als Sondervermögen geschützt.

Passive Fonds, sogenannte Indexfonds (ETF), haben keinen Fondsmanager, deswegen sind die Gebühren geringer. Sie werden nach einem Standardrezept befüllt: Bei einem Indexfonds auf den Deutschen Aktienindex Dax etwa legt die Fondsgesellschaft genau die 30 Aktien in jener Gewichtung in den Topf, wie sie auch im Dax vertreten sind. Steigt der Index um einen Punkt, steigt auch der Wert des Fonds um einen Punkt – und umgekehrt. Solche Töpfe liefern daher immer in etwa so viel wie der Marktdurchschnitt. Auf Dauer, das zeigen Auswertungen des BVI, schlagen sie damit jeden Fondsmanager – weil sie weniger Gebühren verschlingen und nie schlechter abschneiden als der Markt.

Auf die Zutaten kommt es an

4. Lektion: Auf die Zutaten kommt es an

Die nächste wichtige Frage ist: Welche Zutaten genau soll der Topf enthalten? Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien oder von allem etwas? Danach richtet sich die Form des Fonds, und die bestimmt maßgeblich das Ergebnis. Der Klassiker sind Aktienfonds: Sie bündeln Aktien unterschiedlicher Unternehmen, sind zumeist sehr groß, und je breiter die Aktienauswahl, desto mehr Sicherheit bieten sie.

Man kann auch Spezialtöpfe kaufen, etwa Branchenfonds, die nur Aktien aus der IT- oder Autoindustrie bündeln. Oder solche, die nur Papiere kleinerer oder mittlerer Firmen halten (Small- oder Mid-Cap-Fonds) oder auf bestimmte Länder und Regionen setzen.

Sparer sollten aber wissen: Je spezieller der Fonds, desto höher das Risiko. Und immer gilt: Aktienfonds laufen schneller heiß und kühlen schneller ab als andere, weil sie jeden Kursausschlag mitmachen. Etwas gemächlicher kommen Rentenfonds auf Temperatur, in denen oft nur Anleihen stecken. Und dann gibt es noch Mischfonds, in denen Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Immobilien stecken.

Wer unsicher ist, welcher Fonds der richtige für ihn ist, sollte es wie ein Nachwuchskoch machen und sich erst mal einen größeren Allzwecktopf zulegen, also einen breit gestreuten Aktien- oder Mischfonds. Und er sollte zuerst ein Standardrezept ausprobieren, also einen passiven Indexfonds. Im Laufe der Zeit kann man dann immer noch Spezialfonds dazukaufen.

5. Lektion: Kosten und Rendite

Eines ist unmöglich: Aus Fondstöpfen zu schöpfen, ohne dass etwas darin hängen bleibt. ETF etwa kosten im Schnitt rund 0,3 Prozent pro Jahr. Das ist allerdings weitaus weniger als bei aktiv gemanagten Fonds: Ihre Kostenquote liegt im Schnitt bei 1,75 Prozent, die teuersten kosten 2,65 Prozent, hat die Rating-Agentur Morningstar ermittelt. Bei geschlossenen Fonds gehen bisweilen sogar 20 bis 30 Prozent des Kapitals drauf, auch deshalb raten Verbraucherschützer von ihnen ab.

Es gibt noch weitere Kosten: Oft behalten Fondsverkäufer Ausgabeaufschläge von bis zu fünf Prozent der investierten Summe ein (auch für ETFs), das Agio. Die Gebühr kann den Ertrag erheblich schmälern: Wer 10.000 Euro für 20 Jahre in Fonds anlegt, hat allein durch ein fünfprozentiges Agio am Ende 2.300 Euro weniger auf dem Konto. Immerhin: Viele Direktbanken haben das Agio schon abgeschafft, auch die Commerzbank ersetzte es kürzlich durch eine Pauschale für die gesamte Fondsverwaltung.

Wichtig: Hohe Kosten bedeuten nicht auch hohe Rendite, im Gegenteil. Laut Morningstar schlagen die billigen aktiv gemanagten Fonds häufiger die ETFs als die teuren aktiven Fonds. Generell gilt: Je länger man in einen Fonds investiert, desto stabiler sind die Renditen. Und je mehr Aktien in ihm stecken, desto höher fallen die Renditen dann aus. Aktive deutsche Aktienfonds etwa brachten laut Fondsverband BVI über zehn Jahre zuletzt im Schnitt 4,8 Prozent Rendite pro Jahr, nach 30 Jahren 6,9 Prozent. Indexfonds auf den Dax warfen nach zehn und nach 30 Jahren 7,0 Prozent ab. Würde diese Entwicklung sich in Zukunft fortsetzen, hieße das: Wer heute 10.000 Euro in einen Aktienfonds investiert, der bekommt in 20 Jahren etwa 45.000 Euro heraus. Fonds sind also besonders gut für die Langfristanlage, können aber auch auf kurze Sicht viel Rendite bringen.

Wer auf Indexfonds ohne Manager setzt, fährt zwar oft besser als mit aktiv gemanagten Fonds. Doch auch die ETFs erzielen unterschiedliche Renditen, wie eine Auswertung der Quirin Privatbank für ZEIT GELD belegt. Wer ihr zufolge vor fünf Jahren 10.000 Euro in einen Dax-ETF der Deka Bank investiert hatte, erzielte 300 Euro mehr Gewinn als mit einem vergleichbaren ETF von ComStage. Zwischen bestimmten ETFs auf den europäischen Euro Stoxx 50 Index betrugen die Unterschiede sogar fast 500 Euro. ETFs bilden zwar alle dieselben Indizes nach, können das aber unterschiedlich gut. Es lohnt sich also, ihre historische Entwicklung zu vergleichen und dann den einträglichsten von ihnen zu wählen.

6. Lektion: Das Depot

Wer Haushaltswaren kaufen will, der weiß: Es gibt sie entweder im Fachhandel, bei Discountern oder im Internet. So ähnlich ist es auch bei Fonds. Grundsätzlich braucht man zuerst ein Depot, das ist quasi der Schrank für die Töpfe. Man bekommt Depots bei Banken, Online-Banken, Fondsdiscountern und sogar bei den Fondsgesellschaften selbst. Aber: Gebühren vergleichen! Meist sind die Online-Banken die günstigste Wahl. Die Hausbank ist so etwas wie der Fachhandel: Bei ihr sind Fondsanteile (und meist auch die Depots) teuer, weil man hier fast immer die hohen Ausgabeaufschläge zahlen muss. Und sie empfiehlt selten ETFs und stattdessen meist die hauseigenen Fondsprodukte, die nicht immer die besten sind. Billiger ist es bei der Hausbank, wenn man sie beauftragt, Fondsanteile direkt an der Börse zu ordern. Das kostet auch Gebühren, meist sind die aber geringer als der Ausgabeaufschlag.

Besser und billiger geht der Fondskauf im Internet: Online-Banken und -Broker bieten oft 50 Prozent Rabatt auf den Ausgabeaufschlag, und sie haben viel mehr unterschiedliche Fonds im Angebot. Bei Fondsdiscountern (wie ebase, fonds-for-less oder fondsdiscount) entfällt das Agio sogar ganz. Das ist die günstigste Variante, dafür gibt es aber keine Beratung. Auch bei den Fondsgesellschaften direkt kann man Fondsanteile erwerben – und sie einlagern, aber tatsächlich nur die Anteile dieser Gesellschaft. Wer daher mit dem Gedanken spielt, sich früher oder später ein umfangreicheres Fondsset zuzulegen, der sollte sich ein Depot bei einer Direktbank zulegen, in dem er sie alle übersichtlich aufbewahren kann.