Vor ungefähr zwei Wochen, auf dem Flug von Tel Aviv nach Barcelona, saß ich neben zwei palästinensischen Mädchen. Sie gehörten zu einer aufgeregten Gruppe junger Palästinenserinnen, die den hinteren Teil des Flugzeugs mit Gelächter und Geplapper auf Arabisch erfüllte. "Woher seid ihr?", fragte ich sie, als wir die Sicherheitsgurte anlegten, und sie antworteten: "Aus Jerusalem." Ich erzählte ihnen, dass ich jahrzehntelang in Jerusalem gelebt hätte und erst vor Kurzem nach Haifa umgezogen sei und wie sehr ich mich nach der Stadt sehnte. Ich fragte sie nach dem Zweck ihrer Reise, und sie berichteten in ausgezeichnetem Englisch, es handle sich um eine zehntägige Studienfahrt ihrer Klasse. Für eine von ihnen war es die erste Reise ins Ausland, die andere war bereits früher mit ihrer Familie im Ausland gewesen. Während des Flugs beobachtete ich sie staunend. Wie angenehm sie waren, gut erzogen, anmutig. Und nicht nur sie, auch ihre Klassenkameradinnen, die die Reihen um uns herum besetzten. Enge Jeans und Pullover, lockere, gut frisierte Haare, einige sahen schon aus wie junge Frauen, andere noch eher kindlich. Eine meiner Nachbarinnen hielt sogar einen lustigen kleinen Teddybären im Arm und drückte ihn immer an sich, wenn das Flugzeug hin und wieder ruckelte.

Als wir uns der Landung auf einem anderen Kontinent näherten, weit entfernt von unserem Konflikt, der lange vor ihrer Geburt und lange vor meiner begonnen hatte, fragte ich sie: "Meint ihr, es gibt noch die Chance auf Frieden zwischen uns? Gibt es eine Chance, den Konflikt irgendwann einmal zu beenden?" Ich war gespannt und wollte wissen, wie diese Mädchen aus einem relativ liberalen Elternhaus, die in einem wohlhabenden Viertel Ostjerusalems lebten, die Situation beurteilten.

"Natürlich gibt es eine Chance", antworteten sie. "Hoffentlich ist die Besatzung bald vorbei, und wir können in Frieden leben."

Ich war froh und erzählte ihnen von meinen Aktivitäten bei der Gruppe "Frauen machen Frieden" (Women Wage Peace), von den Treffen zwischen israelischen und palästinensischen Frauen, die wir veranstalten, und wie sehr wir an einen Kompromiss glauben. "Also, was denkt ihr über Jerusalem?", fragte ich sie begeistert. "Man muss die Stadt in zwei Hälften teilen, stimmt’s? Den Westteil für uns und den Ostteil für euch, nicht wahr?"

Zu meinem großen Erstaunen wurden beide mit einem Mal blass und schüttelten wütend den Kopf. "Auf keinen Fall", sagten sie einstimmig, "Jerusalem muss ganz und gar uns gehören." Ich schaute sie schockiert an. Die Diskrepanz zwischen ihren höflichen Manieren und ihrer ideologisch-politischen Härte verblüffte mich. Plötzlich saß der Konflikt zwischen uns, löschte die freundschaftliche Beziehung, die in den letzten Stunden entstanden war. "Meint ihr auch die jüdischen Stadtteile?", fragte ich. "Das Viertel, in dem ich gelebt habe, Rehavia? Das Viertel, in dem auch mein Vater aufgewachsen ist, und all die anderen Viertel, in denen Juden leben?"

Zeruya Shalev, geboren 1959, lebte jahrzehntelang in Jerusalem. Ihre Romane werden weltweit gelesen. © Adine Sagalyn/akg-images

"Klar, auch die jüdischen Viertel", sagten sie nachdrücklich. "Ganz Jerusalem gehört uns. Wir werden auf Jerusalem nicht verzichten." Und als sie meine Enttäuschung sahen, fügten sie freundlich hinzu: "Aber das ist kein Problem, ihr werdet in Jerusalem bleiben können, wenn ihr nur anerkennt, dass es unsere Stadt ist, und ihr bereit seid, unter unserer Herrschaft zu leben."

"Einen Moment, hört mir einen Moment zu", bat ich. "Ihr lernt in der Schule doch Geschichte, stimmt’s? Jerusalem war vor dreitausend Jahren die Hauptstadt des jüdischen Volkes. Das beweisen die archäologischen Ausgrabungen, nicht nur die Bibel. Es gab einen jüdischen König und den jüdischen Tempel Hunderte von Jahren vor Mohammed, vor dem Koran, bevor dort die Al-Aksa-Moschee erbaut wurde. Jahrtausende vor der Existenz des palästinensischen Volkes beteten Juden in Jerusalem, beteten in Richtung auf Jerusalem, habt ihr das nicht im Geschichtsunterricht gelernt?"

"Nein, wieso, wir haben gelernt, dass es unsere Stadt ist!", sagten sie entschieden und fügten sofort hinzu: "Das ganze Land gehört uns, auch Tel Aviv, auch Haifa, aber machen Sie sich keine Sorgen, Sie werden bleiben können, Sie müssen das Land nicht verlassen." Sie versuchten mich zu ermutigen, während ich mich über ihre Naivität wunderte. Offenbar kam ihnen überhaupt nicht der Gedanke, was für ein düsteres Regime dieses Land beherrschen könnte und welches Blutbad hier entstehen würde, nicht nur zwischen Juden und Palästinensern, sondern auch zwischen den verschiedenen palästinensischen Gruppierungen, und wie sehr die Menschenrechte verletzt werden könnten, ganz zu schweigen von den Rechten der Frauen, und wie viel besser ihre Situation war als die Situation gleichaltriger Mädchen in Syrien, im Irak und in anderen arabischen Staaten, vielleicht trotz oder gerade wegen der israelischen Herrschaft, die sie so hassten.

"Eure Antwort macht mich wirklich sehr traurig", sagte ich. "Der Konflikt wird ohne Kompromiss nie aufhören. Es stimmt, dass unsere Regierung keinerlei Anstrengung für den Frieden unternommen hat, aber die meisten Israelis wären mit einer Teilung des Landes einverstanden, wenn sie daran glauben könnten, dass hier ein palästinensisches Land ohne Terror entstehen würde. Sie wären einverstanden, auch auf den arabischen Teil Jerusalems zu verzichten. Die meisten Israelis wollen das Ende der Besatzung, unter der einzigen Bedingung, dass ihre Sicherheit nicht gefährdet wird. Wenn sich diese Möglichkeit böte, würden sie großen Druck auf ihre Regierung ausüben. Aber auch ihr müsstet kompromissbereit sein. Wenn ihr beide um diesen Teddybären streitet und jede von euch behauptet, er gehöre ihr allein, werdet ihr ihn zerreißen, und er wird kaputt sein, aber ein Land kann man teilen, eine Stadt kann man teilen." Sie hörten mir höflich zu und sagten am Schluss: "Wir dürfen auf das Land nicht verzichten. Wir werden unser Leben opfern und nicht verzichten."

"Wie viel kann man auf diesem Altar opfern?", fragte ich, als sich die Türen des Flugzeugs öffneten. "Ihr seid so jung. Ist es nicht schade um euer Leben? Reicht es nicht, sich von der Besatzung zu befreien und in einem eigenen Staat zu leben? Versprecht mir, falls es zu Verhandlungen kommt, ernsthaft über die Möglichkeit eines Kompromisses nachzudenken." Ich sprach so eindringlich, als spräche ich zu ihrem ganzen Volk. Und sie versprachen es halbherzig.