Das hat keinen Zweck, murmelt Isabelle unglücklich vor sich hin. Sie kommt gerade von einem demütigenden Date mit ihrem Geliebten, einem sehr beschäftigten, verheirateten, arroganten Bankmanager, und schält sich aus ihrer "Uniform": Minirock, tief ausgeschnittenes Oberteil, dazu hohe Stiefel im Pretty Woman-Stil, die ganz offensichtlich zu eng sind für ihre breiten Füße und gerundeten Waden. Eigentlich könnte eine Frau auf solchen Beinen gut und sicher im Leben stehen; zu Hause bewegt sich Isabelle, mit hinreißender Durchsichtigkeit gespielt von Juliette Binoche, ohnehin lieber in Holzclogs oder auf Strümpfen. Aber die Idee ist: in die Horizontale, ins Liegen zu kommen. Isabelle ist auf der Suche – nach einem Mann, mit dem man rauschhaften Sex erlebt und der zugleich emotionale Stabilität garantiert.

Ein absurder Anspruch für eine Frau über fünfzig, die eine gescheiterte Ehe hinter sich hat? Die schön ist, aber nicht verhindern kann, dass sich der Lidschatten schon so ein bisschen in die Augenfalten verkrümelt. Die als Malerin nicht erfolglos ist, sich aber in einem leicht ranzigen Erdgeschossapartment verbarrikadiert, die charismatisch ist und dabei sehr verletzlich. Der Konflikt, der in Meine schöne innere Sonne entfaltet wird, auch die auf den ersten Blick konventionelle Machart wirken untypisch für das Werk von Claire Denis. Schließlich hat sich die französische Autorenfilmerin in ihrer dreißigjährigen Karriere vorwiegend mit dem männlichen Hormonhaushalt beschäftigt: von den flammenden Bildern verschlungener soldatischer Körper in dem frühen Beau Travail bis zu der eher gelassenen Virilität des wortkargen Helden in Dreckskerle – Les Salauds von 2013.

Und nun: ein Katalog recht alltäglicher amouröser Desaster, angerichtet von einer Heldin, die sich über ihre Präferenzen nicht klar ist und widersprüchliche Signale aussendet, markant illustriert durch den Kontrast zwischen Binoches zarten, eloquenten Zügen und ihrem eindeutigen "Fick mich"-Look. Dass Isabelle den rüden Banker verabschiedet, leuchtet sofort ein. Auch der selbstverliebte Schauspieler, der beim dritten Bier in fünf Minuten Sätze sagt wie "Es ist kein Verlangen mehr in meinem Leben", um sich später zum Pizzaessen mit der Familie zu verabschieden, ist kein ernst zu nehmender Kandidat. Aber je länger die Geschichte durch Hotelbars, Brasserien und Galerien mäandert, in einer milden Parodie auf den typisch französischen Mittelklasse-Redefilm, desto erratischer wirkt Isabelles Verhalten. Der vertraute Sex mit dem Ex endet abrupt, weil sie eine einzige Geste von ihm als "aufgesetzt" empfindet. Und einen sinnlichen, zugewandten Normalo, den sie auf einer Künstlerparty in der Provinz kennengelernt hat, lässt sie sich von einem boshaften Freund als zu unintellektuell ausreden. Das ist der Punkt, an dem man ihr kaum mehr folgen kann.

Man könnte die Geschichte als Abrechnung mit einer Kultur-Schickeria und im weiteren Sinne einer bürgerlichen Gesellschaft verstehen, die ausschließlich an der Optimierung ihres ohnehin privilegierten Lebens arbeitet: "Alles soll zusammenpassen". Die Protagonistin wäre dann ein Opfer von Beziehungsratgebern und Selbstermächtigungsrhetorik. Tatsächlich landet Isabelle am Ende bei einem Wahrsager – grandios: Gérard Depardieu –, der aus den Fotos ihrer Verflossenen den verwirrenden Rat herausliest, bei sich zu bleiben und zugleich "open" zu sein ... open . .. open.

Für eine Satire zu verführerisch

Für eine Satire, eine Denunziation aber ist Meine schöne innere Sonne zu verführerisch gemacht. Wenn die Kamera von Agnès Godard, Denis’ langjähriger Co-Künstlerin, in einer Dialogszene geduldig und geschmeidig von einem Sprecher zum anderen gleitet, fühlt sich das an, als würde man einen Schluck sehr guten Whiskys im Mund hin- und herrollen: Da lässt sich die flüchtigste Geschmacksnuance auskosten. Selten führt der Film nach draußen, ins stumpfe Licht des Großstadtalltags; die Farben sind dunkel, aber satt und prachtvoll, noch der lächerliche Glimmer-Effekt einer Kunstlederjacke fügt sich ins Bild. Und die insistierenden Close-ups auf Binoches Gesicht lassen irgendwann selbst den kitschigen Titel, die Rede von der "inneren Sonne" (im Original: Un beau soleil intérieur), nicht mehr so unwahr erscheinen: Da leuchtet etwas in Isabelle, eine Art kindlicher Tapferkeit angesichts der Zumutungen des Alterns und ihrer versnobten Umgebung. Vielleicht ist diese Frau doch eine der großen, radikalen, libertären Liebenden, wie sie die französische Literatur bevölkern – bis hin zu Roland Barthes’ Fragmenten einer Sprache der Liebe, die dem Drehbuch, wie Claire Denis verlauten ließ, als Inspiration dienten.

Ist Isabelles beharrliche Suche nach einer Partnerschaft, die den Namen verdient, verfehlt? Oder auf eine ganz eigene Weise "vernünftig"? Der Film macht es dem Zuschauer nicht leicht, das zu entscheiden. Genau dadurch ist er so interessant.