Glotzen bildet. Im November, da zeigte das Westschweizer Fernsehen seine Miniserie Quartier des Banques. In sechs Folgen erzählt sie, was im Jahr 2012 der fiktiven Genfer Privatbank Gangier & Cie. widerfuhr, als die amerikanischen Behörden das Schweizer Bankgeheimnis knackten.

Es war das totale Schlamassel.

Quartier des Banques ist toll gemachtes Fernsehen. Packend erzählt und trotzdem nah an der Realität. Die Serie zeigt, wie schnell es ging, dass die Bankiers einknickten, wie sie ihre Prinzipien verrieten, die sie jahrzehntelang aufrechterhalten hatten, allein um ihr Haus und ihre Haut zu retten. Ohne Opfer ging all das nicht. Leichen pflastern den Weg zur Weißgeldstrategie, zumindest im TV.

Dieses Schicksal will nun ein Volksbegehren der restlichen Schweizer Wirtschaft ersparen. Allen voran den Rohstoff-Firmen und -Handelshäusern. Immerhin wird ein Drittel der weltweiten Erdöl-Deals über die Schweiz abgewickelt, und es werden hier 70 Prozent des weltweiten Golds raffiniert.

Die sogenannte Konzernverantwortungsinitiative (Kovi) fordert von den Unternehmen eine umfassende Sorgfaltsprüfung. Sie will sie in die Pflicht nehmen: Nicht nur für das, was in ihren Hauptsitzen in Zug, Genf oder im Tessin geschieht, sondern auch für ihr Tun in fernen Ländern. In Afrika oder Asien.

Egal wo auf der Welt Schweizer Firmen wirtschaften, sie sollen die Sozial- und Umweltstandards einhalten, welche die Vereinten Nationen im Jahr 2011 einstimmig verabschiedet haben.

Wenn sie dies nicht tun, wenn also ihre Kupfer- und Kobaltminen weiterhin die Flüsse im Kongo verschmutzen, wenn an der Elfenbeinküste und in Ghana weiterhin Kinder auf Kakaoplantagen schuften müssen, wenn die Öltrader mit schwefelreichem Diesel in Afrika handeln oder ein Basler Agrar-Multi auf den Philippinen ein Herbizid verkauft, das in Europa längst verboten ist, dann sollen diese Verfehlungen vor einem Schweizer Gericht eingeklagt werden können. Unabhängig davon, wie die Rechtslage im jeweiligen Land ist. Und egal ob dabei die Mutter- oder eine ihrer Tochtergesellschaften oder ein wichtiger Lieferant beteiligt ist.

Zu einem Schuldspruch käme es aber nur, wenn die Richter den Unternehmen mangelnde Sorgfalt nachweisen könnten. Sie erhielten damit einen Anreiz, das Richtige zu tun. So die Idee.

Die Schweizer Stimmbürger sympathisieren mit der Initiative. 70 Prozent unterstützen die Kovi, in der Westschweiz sind es sogar über 90 Prozent. Das zeigte die erste Umfrage. Klar, die ist selten aussagekräftig. Noch ist das Anliegen nicht einmal abschließend im Parlament behandelt worden. Noch streiten sich National- und Ständeräte darüber, ob sie der Vorlage mit einem abgeschwächten Gegenvorschlag beikommen wollen. Etwas, das sie eigentlich nur dann tun, wenn sie einem Volksbegehren allzu gute Chancen in einer Abstimmung zutrauen, als dass sie das Anliegen einfach ignorieren könnten.