Aus Sicht eines Mannes, dessen Imperium stets wuchs, dessen Appetit nie nachließ und dessen Erfolg legendär ist, kann es nur ein mieser Tag gewesen sein: Rupert Murdoch hat vergangene Woche bekannt gegeben, nahezu die Hälfte der von ihm kontrollierten Medienunternehmen an den Disney-Konzern zu verkaufen. Zugegeben, der Preis ist enorm, Disney übernimmt 14 Milliarden Dollar Schulden und zahlt darüber hinaus 52 Milliarden Dollar in eigenen Aktien.

Rupert Murdoch und seine Familie bekommen davon aber nur einen kleinen Teil, es sind an die neun Milliarden Dollar, nicht mehr, meldet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Heißt das, Murdoch der Mächtige ist geschlagen? Er, von dem es hieß, britische und australische Regierungschefs hätten ihm zu Füßen gelegen? Er, von dem es hieß, er habe mit seinen Zeitungen und Fernsehsendern Wahlen entschieden?

Sein Sohn Lachlan Murdoch, der die Geschäfte gemeinsam mit dem Vater führt, sagt über den Verkauf: "Manchmal sind die richtigen Entscheidungen die härtesten." Die Murdochs verkaufen ihr Hollywood-Filmstudio, ihr TV-Kabelgeschäft und einen Anteil an Hulu, einer in den USA populären Video-Streamingplattform. Auch aus der Bezahl-TV-Gruppe Sky, die im deutschsprachigen Raum fünf Millionen Abonnenten hat, ziehen sie sich zurück. Damit ist das Ende von Rupert Murdoch als führendem Unternehmer in der Entertainmentindustrie besiegelt.

In diesem Rückzug steckt die Erkenntnis, dass die Murdochs nicht in der Lage gewesen sind, alle Geschäfte in den digitalisierten Medienmärkten gleichermaßen zu entwickeln. Der Unternehmer selbst sagt dazu, er handle "angesichts neuer Wettbewerber und einer sich ändernden Mediennutzung", er meint damit den ungebrochenen Zulauf zu Video-Streamingdiensten wie Netflix und Amazon. Beide sind so erfolgreich, dass sich die alten Platzhirsche gegenseitig stützen müssen, obwohl sie mit ihren Animationsfilmen (Disney, Pixar) und Science-Fiction-Abenteuern (Batman, Iron Man, Avatar) über viele Jahre den Takt im Film- und Fernsehgeschäft vorgegeben haben. Dieser Wandel lässt Rupert Murdoch als einfachen Aktionär von Disney zurück.

Auch die vergleichsweise geringe Auszahlung seiner Familie mit Anteilscheinen im Wert von neun Milliarden Dollar ist leicht zu erklären. Es gab seit Langem einen Unterschied zwischen dem Einfluss, den die Murdochs in ihren Firmen ausübten, und dem Eigentum, das sie daran hielten (siehe Kasten). Das wird nun sichtbar. Geleitet haben sie ihre Firmengruppen bis heute, aber die Mehrheit der Aktien hatten sie vor Langem abgegeben, um das Wachstum ihrer Firmen zu finanzieren. So steht ihnen nur ein Bruchteil der Verkaufssumme zu.

Das bedeutet aber nicht das Ende des Verlegers Rupert Murdoch. Als solcher ist er nicht geschlagen. Im Gegenteil: Er bleibt der einflussreichste konservative Nachrichten- und Meinungsproduzent in der angelsächsischen Welt – und er wird sogar stärker.

Neben den führenden Zeitungen in seinem Geburtsland Australien kontrolliert er wie eh und je das größte Boulevard-Blatt in Großbritannien, die Sun, sowie die Times in London und das wohl wichtigste Wirtschaftsmedium der Welt, das Wall Street Journal. Politisch noch entscheidender ist: Murdoch behält den populärsten Nachrichtensender in den USA – Fox News.

"Weichen wir zurück? Absolut nicht", sagte Murdoch in einer Telefonkonferenz mit Finanzanalysten. "Wer mich kennt, weiß, dass ich ein Nachrichtenmann bin – einer mit Kampfgeist. Fox News ist die wohl stärkste Marke" im amerikanischen Fernsehen. Der Sender und einige mit ihm verbundene Spartenkanäle machen zehn Milliarden Dollar Umsatz im Jahr und lieferten zuletzt ein Vorsteuerergebnis von 2,8 Milliarden Dollar ab. Außerdem schanzen die Buchhalter seiner New Fox genannten Firma bei dem Disney-Deal noch Steuergutschriften zu, die sicherstellen, dass Fox News in den kommenden 15 Jahren kaum Steuern zahlen wird.