Wer mich dieser Tage anspricht, egal wann, egal wo, egal worauf, dem muss klar sein: Wir werden über Bitcoin reden. Ich werde genau wissen, wie viel Euro eine Einheit dieser geheimnisvollen Digitalwährung gerade kostet. Ich werde berichten, wie leicht man damit gerade Geld verdienen kann. Ich werde von Tolga erzählen oder von Dino, denen ich überteuerte Bitcoin verkauft habe – ohne es zu wollen. Ich werde das Gesicht verziehen bei dem Gedanken daran, wie ich selbst Bitcoin verloren habe. Ich werde also erzählen, wie ich erst die Manie und die Leichtfertigkeit der anderen kennenlernte – und dann meine eigene Gier und meine eigene Dummheit. Und natürlich werde ich auch hadern: Wie reich könnte ich nun sein, wenn ich nicht so spät eingestiegen wäre?

So spät, das bedeutet: am 3. Januar 2017, also auf den Tag acht Jahre, nachdem die ersten Bitcoin erschaffen wurden. Zum Zeitpunkt seiner Geburt noch für ein paar Cent zu haben, ist ein Bitcoin zum Jahresbeginn 2017 und erstmals in seiner Geschichte 1.000 Euro wert. In der ZEIT schreibe ich einen kleinen Artikel, versehen mit dem Warnhinweis: Mit Bitcoin solle man vorsichtig sein, "nach dem letzten Höhenflug im Jahr 2013 brach der Wert zwischenzeitlich um 75 Prozent ein". Aber nun will ich es selbst probieren. Ich will einen Bitcoin kaufen.

Noch treibt mich die Neugier, nicht die Gier.

Als ich mich auf Bitcoin.de anmelde, der einzigen deutschen Bitcoin-Handelsplattform, als Nutzer Nummer 277 699, sehe ich zwei lange Listen mit Verkaufs- und Kaufofferten, jede ist sortiert nach der Höhe des Kurses, zu dem Bitcoin angeboten oder nachgefragt werden. Neue Angebote blinken gelb auf, wenn jemand sie einstellt, und sie flackern noch mal, bevor sie verschwinden, wenn sie jemand gekauft hat. Wenn Bitcoin eine Blase sind, dann eine, die gelblich blubbert.

Ein Nutzer bietet einen Viertel-Bitcoin für 245 Euro, das entspricht einem Kurs von 980 Euro pro Bitcoin. Ich klicke auf "Kaufen", überweise 245 Euro und bin etwas später Eigentümer meines ersten, nun ja, Viertelbitcoins.

Ein Viertelbitcoin, das klingt ein bisschen unambitioniert, wie Kinderteller, Light-Bier oder Weißweinschorle. Aber damit lässt sich was anfangen: Ich plane, immer wenn sich der Kurs wieder verdoppelt hat, etwa eine Hälfte meines Bitcoinguthabens zu verkaufen. Schon nach der ersten Verdopplung, so stelle ich mir das vor, hätte ich dann meinen Einsatz wieder raus. Und bei dauerhaft steigenden Kursen würde ich ewig profitieren. Es wäre wie bei diesen Sofortrenten, wegen denen man an Lotterien teilnimmt, nur dass ich ausnahmsweise mal zu den Gewinnern gehören soll. Das ist so die Idee.

Ich halte meine Strategie für genial, meine Aktivitäten aber noch geheim. Meine Frau hätte für ein Investment in Bitcoin wohl noch weniger Verständnis als für meinen lange gehegten Wunsch nach einem Staubsaugerroboter.

Tatsächlich verdoppelt sich der Kurs bald, und ich erstelle auf Bitcoin.de eine Verkaufsofferte: knapp einen Achtelbitcoin. Ende Mai ist es so weit: Ein Nutzer greift zu, und etwas später habe ich 250 Euro auf dem Konto. Damit ist mein Einsatz wieder drin – und noch ein Achtel-Bitcoin übrig. Es vergehen weitere zwölf Wochen, dann verkaufe ich davon die Hälfte zum Kurs von 4.000 Euro; auf meinem Konto liegen jetzt schon rund 250 Euro mehr als zu Jahresbeginn. Ich starte die nächste Offerte: ein Vierzigstel-Bitcoin zum Kurs von 7.000 Euro. Es fängt an, Spaß zu machen.