"Scheiben und Halbscheiben" von Ernst Wilhelm Nay, 2,3 Millionen Euro (2017)

Wie unvorhersehbar der Kunstmarkt sein kann, beweist Nays Bild "Scheiben und Halbscheiben". Mitte Dezember wurde es für das Zehnfache des zuvor geschätzten Preises versteigert. Als Vertreter des breiten Kunstgeschmacks findet der britische Rentner Robert Shipton das Werk "ein bisschen laut und langweilig". Museumschef Yilmaz Dziewior ist jedoch überzeugt, dass "Nay für die deutsche Nachkriegskunst von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist".

"Lullaby Spring" von Damien Hirst, 14 Millionen Euro (2002)

Hirst gilt als Enfant terrible der Gegenwartskunst. Den Preis für das Edelstahlkabinett voller Pillen hält die Museumsbesucherin Laura Maroni aus Mailand für angebracht. "Wer aus einem so einfachen Gegenstand wie einer Kapsel ein abstraktes Kunstwerk schafft, wird auch in fünfzig Jahren noch gesammelt werden", glaubt sie. Museumsdirektor Yilmaz Dziewior widerspricht: "Noch schlechter als Koons", sagt er – und ein Paradebeispiel dafür, wie die Werke eines begabten Künstlers an Qualität verlieren, "wenn das Geld ins Spiel kommt".

"Balloon Dog (Orange)" von Jeff Koons, 46,6 Millionen Euro (2013)

Der amerikanische Künstler Jeff Koons ist der teuerste lebende Künstler weltweit. "Koons ist der Andy Warhol des 21. Jahrhunderts", sagt Laura Maroni, eine Hausfrau aus Mailand. "Die Art und Weise, wie Koons Alltagsgegenstände in ihren Formaten und Farben übertreibt, ist schlicht genial." Auch Experte Yilmaz Dziewior sieht in Koons künstlerischem Ansatz "grundsätzlich eine Bereicherung". Der hohe Marktwert sei dennoch nicht gerechtfertigt. Dziewior hält Koons für einen gehypten Künstler und "ein gutes Beispiel dafür, dass Geld nicht mit Relevanz korreliert".

"Coburg 3+1 More" von Peter Doig, 14 Millionen Euro (2007)

Peter Doig ist ein schottischer Maler. Über sein abstraktes Gemälde mit dem sperrigen Titel "Coburg 3+1More" herrschte schnell Einigkeit zwischen dem Experten Yilmaz Dziewior und zufällig ausgewählten Besuchern der Tate Modern in London. Rentner Robert Shipton sagt, dass er sich in diesem Werk "jeden Tag aufs Neue verlieren" könne. Und auch nach Meinung von Dziewior ist Doig "ein sehr guter Maler, der nachhaltig in Erinnerung bleibt".

"My Bed" von Tracey Emin, 2,8 Millionen Euro (2014)

Bei der Beurteilung von Emins Werk "My Bed" sind sich Laien und Kenner der Kunstszene einig. Bei dieser Installation offenbart die englische Künstlerin mit einem ungemachten und versifften Bett gegenüber dem Betrachter ihre innere Verwundbarkeit. Museumsdirektor Yilmaz Dziewior bezeichnet Emin als "reflektierte Romantikerin, die ihre Finger in die sexistische Wunde unserer Gesellschaft legt". Robert Shipton, ein Frührentner aus London, empfindet das Werk als "einzigartig und zutiefst bewegend".

"Goodbye to the Bay of Naples" von Howard Hodgkin, 1,6 Millionen Euro (2017)

Mit seinen großformatigen abstrakten Leinwänden etablierte sich der britische Künstler Howard Hodgkin schon lange vor seinem Tod im vergangenen März. Beim Auktionshaus Christie’s erzielte sein Werk "Goodbye to the Bay of Naples" erst vor Kurzem einen beachtlichen Preis. Profi Yilmaz Dziewior nennt Hodgkin einen "beeindruckenden Künstler" und meint: "Schöne Bilder sind nun mal teuer." Die Mailänderin Laura Maroni sieht das anders. Ihr erscheint das Bild "krass und nichtssagend".

"Peter’s Series: Black" von Hurvin Anderson, 1,7 Millionen Euro (2017)

Was soll man nun von diesem Bild halten? Uneinig sind sich etablierte Fachleute und Menschen, die künftig welche sein werden. Museumsdirektor Yilmaz Dziewior lobt das Bild "Peter’s Series: Black" grundsätzlich. "Total banal und absurd teuer", urteilen dagegen Babs und Nikita – das junge belgisch-russische Pärchen studiert derzeit an der Kunsthochschule in Antwerpen.