© S. Fischer

1 (7) Ina Hartwig: Wer war Ingeborg Bachmann?
Eine Biographie in Bruchstücken; S. Fischer; 320 S., 22,– €

Die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann ist auch ein Mythos: Ihre Auftritte, ihre Beziehungen zu Paul Celan und Max Frisch, ihre glamouröse Aura und ihr mysteriöser Tod machten sie zu einer der faszinierendsten Intellektuellen der Nachkriegsgeschichte. Ina Hartwig hat endlich eine entmystifizierende Biografie über diese ehrgeizige, so fragile wie derbe Diva geschrieben, die ein Medienprofi war. 98 Punkte


© Rowohlt Berlin

1 (–) Julia Encke: Wer ist Michel Houellebecq?
Porträt eines Provokateurs; Rowohlt Berlin; 256 S., 19,95 €

Kaum ein Schriftsteller hat gleichermaßen so viele Fans und Gegner wie der Franzose Michel Houellebecq. Er gilt als Provokateur, schillernder Intellektueller und scharfsinniger Diagnostiker unserer Zeit. Die FAS- Journalistin Julia Encke hat den Künstler mehrmals getroffen. Jetzt legt sie ein Porträt vor, das sich dem Phänomen Houellebecq pünktlich zu seinem 60. Geburtstag vorsichtig nähert. 98 Punkte


© Verlagsgruppe Random House

3 (–) Sandra Richter: Eine Weltgeschichte der deutschsprachigen Literatur
C. Bertelsmann; 728 S., 36,– €

Dies ist nicht einfach nur eine Literaturgeschichte, sondern eine erhellende Analyse der Wechselbeziehung zwischen Globalisierung und literarischer Genese: Die Literaturwissenschaftlerin Sandra Richter erklärt die Entstehung deutschsprachiger Literatur im Zusammenhang der Weltgeschichte und macht die kulturellen Einflüsse verschiedener Epochen transparent: von den Minnesängern bis zu Herta Müller. 70 Punkte


© C. H. Beck

4 (2) Ibram X. Kendi: Gebrandmarkt
A. d. Engl. v. Susanne Röckel u. Heike Schlatterer; C. H. Beck; 604 S., 34,– €

Die Studie des Historikers Ibram Kendi ist ein halbes Jahr vor dem Wahlsieg von Donald Trump erschienen. Jetzt liegt das Buch auf Deutsch vor: In der Chronik, die von den Puritanern bis zur Black-Lives-Matter-Bewegung reicht, zeigt der Historiker, warum die Gesellschaft der USA nach wie vor auf rassistischen Werten basiert. Ein Buch, so schmerzhaft wie informativ. 61 Punkte


© S. Fischer

5 (1) Andreas Bernard: Komplizen des Erkennungsdienstes
Das Selbst in der digitalen Kultur; S. Fischer; 240 S., 24,– €

Der Kulturwissenschaftler Andreas Bernard hat eine packende Studie über die Genese des Selbst in der digitalen Kultur verfasst. Bernards Befund: Die Techniken der Selbstdarstellung haben ihre Ursprünge im 19. Jahrhundert, als in Gefängnissen und Psychiatrien zur Kontrolle von Straftätern die Profilerstellung entwickelt wurde. Heute geben wir unsere Profildaten an Google und Facebook freiwillig heraus. 54 Punkte


© C. H. Beck

6 (3) Bernd Roeck: Der Morgen der Welt
Geschichte der Renaissance; C. H. Beck; 1304 S., 44,– €

Warum stieg Europa in der Renaissance zur Weltdominanz auf? Diese Frage beantwortet der Historiker Bernd Roeck in seinem faszinierenden, faktenreichen Panorama. Seine Gründe für den Siegeszug seit 1500: Die italienische Kunst, die Ideen des Humanismus, der Rückbezug auf die Antike, die Technikbegeisterung, aber auch die Kolonialisierung machten den Kontinent selbstbewusst. 33 Punkte


© Suhrkamp

7 (4) Andreas Reckwitz: Die Gesellschaft der Singularitäten
Suhrkamp; 480 S., 28,– €

Der Soziologe Andreas Reckwitz hat eine originelle Generaltheorie unserer Epoche vorgelegt: Nach der industriellen Moderne herrsche im Westen ein Kulturkapitalismus, der wieder soziale Klassen kenne, die sich aber nach kultureller Dominanz sortieren. Reckwitz erzählt, wie der Drang zum Singulären den nach Gleichheit ablöst – und so neue Eliten und Abgehängte, Spaltungen und Konflikte entstehen. 32 Punkte


© S. Fischer Verlag

8 (–) Stefan Klein: Das All und das Nichts
Von der Schönheit des Universums; S. Fischer; 240 S., 20,– €

Gibt es das Nichts? Sind Raum und Zeit nur Illusionen? Reicht unser Verstand aus, um das All zu verstehen? Das sind die Fragen, mit denen sich der Wissenschaftsjournalist Stefan Klein beschäftigt. Seine Sprache ist schnörkellos, seine Beschreibungen physikalisch genau, ohne unverständlich zu sein. Ein Buch, das den Rätseln der Welt kenntnisreich auf den Grund geht. 30 Punkte


© Matthes & Seitz Berlin

8 (–) Guillaume Paoli: Die lange Nacht der Metamorphose
Matthes & Seitz Berlin; 220 S., 20,– €

Die Gesellschaft driftet auseinander: Die einen suchen Heil im digitalen Fortschritt, die anderen verteidigen einen reaktionären Kulturbegriff. Wie kam es zu dieser Spaltung? Der Philosoph Guillaume Paoli erkennt im Liberalismus der siebziger Jahre den Anfang einer "anthropologischen Mutation" und meint: Die Entfremdung von einem kollektiven Sinnzusammenhang ist das zentrale Problem unserer Zeit. 30 Punkte


© Suhrkamp Verlag

10 (–) Niklas Luhmann: Systemtheorie der Gesellschaft
Suhrkamp; 1132 S., 49,95 €

Der Soziologe Niklas Luhmann versprach 1967, innerhalb von 30 Jahren eine Analyse der gesamten Gesellschaft vorzulegen. Er hielt Wort: 1997 kam sein Opus magnum heraus. Was bisher nicht jeder wusste: Er schrieb es immer wieder um. Jetzt hat der Suhrkamp Verlag das Ursprungsmanuskript veröffentlicht, das auf über 1.000 Seiten tiefen Einblick in Luhmanns Denken gibt – detailliert wie nie zuvor. 25 Punkte