Ahed Tamimi ist erst 16 Jahre alt – und schon eine international gefeierte Heldin des Widerstands. Tamimi wohnt im Westjordanland, sie ist Palästinenserin und fällt seit einiger Zeit vor allem dadurch auf, dass sie israelischen Soldaten mit den Waffen des Schwächeren Schmerzen zufügt: Sie beißt ihnen in die Hand, wirft Steine, oder, das tat sie neulich, setzt einen Fausthieb direkt ins Gesicht. Jetzt ist Tamimi vor einem israelischen Militärgericht wegen Körperverletzung angeklagt worden, ein 16-jähriger Teenager mit wehenden blonden Locken. Die israelischen Behörden haben so unfreiwillig ein David-gegen-Goliath- Szenario kreiert, in dem sich die großen Debatten des ganzen Landes spiegeln.

Tamimi und ihre Familie nehmen für sich in Anspruch, nur gewaltsam zu provozieren und zu sticheln, weil neben ihrem Heimatdorf eine – völkerrechtlich illegale – israelische Siedlung entsteht. Die Soldaten nehmen für sich in Anspruch, diese neue Siedlung und ihre Bewohner bloß zu beschützen. Wer wen warum als Erstes und wie lange provoziert hat, ist auf den Videos und Bildern, die Tamimis Kabbeleien mit den Soldaten zeigen, nicht auszumachen. Beide Seiten nehmen, wie eh und je, für sich in Anspruch, auf die physische, strukturelle oder politische Gewalt des anderen stets nur reagiert zu haben. Dadurch wird das eigene Verhalten immer zur Reaktion, nie zur Aktion. Und so steht die kleine blonde Kämpferin vor allem für eines: für den Zyklus von Wut und Gegen-Wut, in dem sich alle Beteiligten als Unschuldige fühlen können.