Es ist ein routinierter Dreiklang, dem die meisten Autofahrer nach dem Einsteigen folgen: Zündschlüssel drehen, anschnallen und ... Obwohl, früher haben sich eher wenige Menschen angeschnallt, und heute starten viele ihr Auto per Knopfdruck. Also bleibt einzig unverändert: Musik an. Das Radio ist ein selbstverständlicher Teil des Innenraums eines Autos. Doch dahin war es ein langer Weg.

Das Autoradio wurde in den 1920er Jahren in den USA erfunden. Nach Europa kam es erst 1932: ein Röhrengerät, 15 Kilogramm schwer, es kostete 465 Mark – ein Auto war damals nur dreimal so teuer. 400 Stück sollen davon verkauft worden sein.

Heute haben 96 Prozent aller Gebrauchtwagen in Deutschland ein Radio. Jeder fünfte Neuwagen hat sogar ein Digitalradio, empfängt das Programm also über DAB+. Damit ist theoretisch jeder Sender im ganzen Bundesgebiet auf der gleichen Frequenz empfangbar, bei sehr gutem Klang. Es gibt allerdings ein Problem: Beim Digitalradio gibt es entweder sehr guten Empfang – oder gar keinen. Es kann nämlich sein, dass es mit einem Mal ganz still wird. Im Elbtunnel zum Beispiel.

Beim Bau wurde dort eine Tunnelfunkanlage errichtet, denn die "Richtlinie für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln" schreibt vor, dass bei Tunneln über 400 Meter Länge mindestens ein Radiosender mit Verkehrsfunk ausgestrahlt wird. Im Elbtunnel lassen sich sogar 16 UKW-Radiosender empfangen. Zudem können Fahrer – zum Beispiel bei Notfällen – von der Tunnelbetriebszentrale übers Autoradio angesprochen werden.

Wer nun aber mit DAB+ in den Elbtunnel einfährt, dessen Radio schaltet um auf UKW-Empfang. Befindet man sich nicht im Sendegebiet seines Programms, bedeutet das: Stille. Bei schlechtem Empfang: Rauschen. Und wenn man den Tunnel verlässt, schaltet das Radio zwar zurück auf digitalen Empfang. Das Programm wiederholt sich jedoch für einige Augenblicke, denn DAB+ hinkt dem UKW-Signal hinterher. Geht das nicht besser? "Die Rundfunkanstalten könnten ihr Programm im Tunnel auch in DAB+ senden, die technischen Voraussetzungen dafür sind vom Tunnelbetreiber gegeben", erklärt Christian Füldner, Sprecher der Verkehrsbehörde. Aber: "Um ihr Signal in DAB+ senden zu können, müssten die Sender die Installations- und Betriebskosten tragen."

Digitalempfang im Tunnel lohnt sich offensichtlich nicht für die Sender. Denn die allermeisten Autofahrer hören weiter über UKW. Dabei sollte DAB+ bis 2015 deutschlandweiter Standard sein. Dann wurde die Umstellfrist für die Radiowellen bis 2025 verlängert. Inzwischen ist diese Frist eher eine Empfehlung.