Vielleicht ist es übertrieben, den Hamburger Flughafen einen rechtsfreien Raum zu nennen. Aber wenn es um das Thema Fluglärm geht, kommt das der Sache nahe.

Frage an die Fluglärmschutzbeauftragte Gudrun Pieroh-Joußen: Was kann sie gegen Fluglinien unternehmen, deren Piloten die Nachtruhe am Flughafen missachten?

Antwort: "Bei der jetzigen Regelung scheitert vieles daran, dass wir einfach die Namen der Piloten nicht bekommen."

Ab 23 Uhr herrscht Stille, so sollte es theoretisch sein. Es "gelten strenge Nachtflugbeschränkungen", versichert die Flughafen-Leitung, "als stadtnaher Flughafen nimmt Hamburg Airport seine Verantwortung gegenüber den Anwohnern sehr ernst". In der Praxis vergeht kaum eine Nacht ohne mehrere verspätete Flugzeuge, was für die Nachbarn jedes Mal so ist, als donnerte ein Konvoi von Motorradfahrern durch die Straße.

Verspätete Landungen sind nicht notwendig illegal, aber sie müssen nachvollziehbar begründet werden. Frage an die Lärmschutzbeauftragte: Können Sie die Begründungen für die Verspätung der Flüge überprüfen?

Antwort: "Wenn wir nach sechs Wochen den Grund der Verspätung kriegen, ist es tatsächlich nicht mehr möglich."

Diese Dialoge sind knappe Zusammenfassungen längerer Wortwechsel im Umweltausschuss der Bürgerschaft Ende November des vergangenen Jahres. Die Fluglärmschutzbeauftragte Pieroh-Joußen ist Mitarbeiterin der Umweltbehörde. Die Umweltschutzorganisation BUND hat ihre Anhörung im Ausschuss durch eine Unterschriftensammlung als Auftakt zu einer Kampagne für strengere Nachtflugregeln durchgesetzt. Letztlich, erklärt die Expertin den versammelten Abgeordneten, seien für die Störung der Nachtruhe in vielen Fällen nicht die Piloten, sondern ihre Fluglinien verantwortlich. Haftbar machen könne man diese aber nur, wenn es gelinge, zunächst die Piloten zu belangen.

Frage der Abgeordneten: Wieso verlangen Sie nicht von Fluglinien wie easyJet, die viele Verspätungen verursachen, die Namen der Piloten zu verraten?

Antwort: "Wir sind im Gespräch mit easyJet, und ja, es gibt Hinweise, dass easyJet die Piloten vielleicht nennen wird."

Frage: Kann nicht die Flugaufsicht die Namen in Erfahrung bringen?

Antwort: "Wenn wir an einem Abend zehn Verspätungen haben, dann können die nicht bei allen zehn Flugzeugen ins Cockpit gehen und den Piloten ausfindig machen."

Frage: Warum stellt nicht die Polizei die Personalien fest?

Antwort: "Die Flugzeuge, der Flughafen stellen einen Sicherheitsbereich dar, und in diesen Sicherheitsbereich dürfen nur bestimmte Personen Zugang haben."