Graue Haare sind unser Schicksal – jedenfalls dann, wenn wir das entsprechende Alter erreichen, in dem unsere Haarfollikel die Produktion des Farbstoffs Melanin einstellen. Das passiert beim einen früher, beim anderen später. Es gibt kein Mittel gegen das Ergrauen außer dem Griff in den Farbtopf. Dennoch ranken sich viele Mythen um den Farbverlust: dass die Haare über Nacht ergrauen könnten (können sie nicht, ZEIT Nr. 7/98) oder dass Stress den Prozess beschleunige (könnte sein, ZEIT Nr. 14/15). Und dann ist da das Gerücht, das Ausrupfen einzelner grauer Haare führe zu ihrer Vermehrung.

Das wäre eigentlich schön, weil bei vielen die Haare im Alter ja nicht nur grau, sondern auch weniger werden. Lieber ein voller grauer Schopf als ein kahler Kopf also – aber leider ist das völliger Unsinn. Beim Ausreißen eines Haares bleibt für gewöhnlich der Follikel intakt, aus dem das Haar gewachsen ist. Es wächst ein neues nach, das dem alten ähnelt – also in diesem Fall ein graues. Neue Haare könnten nur wachsen, wenn auch neue Follikel entstehen würden, und das ist nicht der Fall.

Der Eindruck, mit jedem ausgerissenen grauen Haar wüchsen mehrere nach, entsteht einfach dadurch, dass sich der Ergrauungsprozess unaufhaltsam fortsetzt und weitere Haare die Farbe verlieren. Wenn man zwanghaft immer wieder graue Haare ausreißt, kann das schließlich sogar negative Folgen haben: Irgendwann wachsen diese Haare nur in verkümmerter Form nach oder gar nicht. Dann wird man nicht nur grauer, sondern das Haar auch noch schütter.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de.

Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio