Wer gesetzlich versichert ist, muss oft lange auf einen Arzttermin warten. Länger als jemand, der sich eine private Krankenversicherung leisten kann. Damit, fordert die SPD, soll nun Schluss sein. Jeder, egal ob reich oder arm, krank oder gesund, soll künftig in eine einheitliche Versicherung einzahlen: in die sogenannte Bürgerversicherung.

Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD, nannte die Bürgerversicherung eines der wichtigsten Versprechen seiner Partei. Die SPD sei ihren Wählern gegenüber verpflichtet, es auch einzulösen. Ohne Bürgerversicherung keine große Koalition, heißt es aus der Fraktionsspitze.

Das Ende der Zwei-Klassen-Medizin naht deshalb noch lange nicht. Zwar hat die SPD die Mehrheit der Bürger hinter sich: Laut einer Emnid-Umfrage vom Dezember befürworten mehr als 60 Prozent der Deutschen die Bürgerversicherung. CDU und CSU aber lehnen den Vorschlag ab. Sie befürchten, dass hinter der Bürgerversicherung nicht die Chance zu einem gerechteren Gesundheitssystem steckt, sondern eine träge, innovationsfeindliche Einheitskasse, die den Wettbewerb zerstört – und damit den Anreiz, den Versicherten die besten und günstigsten Leistungen zu bieten.

Außerdem, warnt die Union, sei die Umstellung auf eine Einheitsversicherung so kompliziert, dass sie das Gesundheitssystem über Jahre lähmen und viel Geld kosten würde. Geld, das die Unionsparteien lieber ausgeben würden, um die Gesundheitsversorgung in Landstrichen mit einer rapide alternden Bevölkerung zu verbessern oder um die Digitalisierung in Krankenhäusern, Arztpraxen und bei den Krankenkassen voranzutreiben.

Annähern könnten sich Union und SPD womöglich bei der Frage des Zusatzbeitrags. Das ist jener Teil des Versicherungsbeitrags, den sich die Arbeitnehmer nicht mit den Arbeitgebern teilen, sondern den sie allein tragen müssen. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte kurz vor Weihnachten in einem Interview vorgeschlagen, den Beitrag zu deckeln, damit die Kosten des medizinischen Fortschritts "nicht unbegrenzt zulasten der Versicherten" gingen.