Knapp 290 Galerien werden dieses Jahr an der Art Basel – der größten und wichtigsten europäischen Kunstmesse – teilnehmen, gut 4.000 Künstler sind mit ihren Arbeiten dort vertreten. Doch wer soll das alles ansehen? Die Wahrheit ist, dass vieles während der Messetage vom Gros der Sammler unentdeckt bleibt. Die meisten steuern bevorzugt jene Kunsthändler an, die sie bereits kennen. Trotzdem bewerben sich regelmäßig an die tausend Galeristen um die Plätze. Und wenn sie den Zuschlag erhalten, müssen sie viel Geld bezahlen: Auf der Baseler Messe kostete im Jahr 2017 ein Quadratmeter 790 Franken, also etwa 725 Euro.

Der Andrang auf die Messeplätze ist in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen und gewachsen. Als im Jahr 1967 mit der Art Cologne in Köln die allererste Kunstmesse in Deutschland gegründet wurde, kam sie gerade einmal auf 18 Stände. Damals sollte das dichte, konzentrierte Angebot dem Kunsthandel hierzulande auf die Sprünge helfen. Heute ist das angesichts des internationalen Booms auf dem Kunstmarkt nicht mehr das vorrangige Ziel des Veranstalters.

Der Grund dafür, dass die Galerien um die Plätze konkurrieren, ist heute auch ein anderer als früher. In erster Linie geht es nicht mehr darum, schnell etwas zu verkaufen. Messen wie die Art Basel mit ihren Ablegern in Hongkong und Miami Beach, wie die Fiac in Paris oder die Art Cologne haben sich zu einem generellen Maßstab für Qualität entwickelt. Ihre Jurys gelten als streng. Wer ihre Kriterien erfüllt, kann sich schon als ausgezeichnet betrachten.

Vor allem die Teilnahme an der Art Basel ist ein Label geworden, von dem eine Galerie weit über die Messe hinaus das ganze Jahr zehrt. Künstler möchten hier unbedingt vertreten sein, Sammler merken sich den Namen – auch wenn sie auf der Messe an dem fraglichen Stand vorbeigehastet sind. Für die Teilnehmer ist die Standmiete also eine Investition, um sich zu etablieren oder ihren Ruf zu festigen.

Das erklärt auch, warum so viele Galeristen darüber klagen, dass sie eigentlich messemüde seien. Und trotzdem bewerben sie sich nach Ende einer Mega-Veranstaltung gleich wieder beim nächsten großen Ereignis dieser Art.