Contra

Ein normaler Mensch, zum Beispiel eine Frau, kommt ins Restaurant. "Entschuldigen Sie, ist der Platz noch frei?", fragt der Mensch, setzt sich hin und isst. Dann kommt ein Mann ins Restaurant: "Tschuldige, is da noch frei?" Er setzt sich hin, steht wieder auf, ihm gefällt nicht, wie der Tisch steht. Er verrückt ihn, das Essen der anderen Gäste fällt um. Der Mann achtet darauf nicht, er muss noch einen Stuhl wegräumen ("So sieht’s gleich gemütlicher aus") und anschließend der jungen Kollegin erklären, wie "die Bitcoins" und "Israel" funktionieren. Niemand hat ihn darum gebeten, er tut es trotzdem.

Der Mann – die Feuilletons des Landes diskutieren wieder über ihn. "Hey Mann, es ist vorbei mit dir!", titelt die Welt am Sonntag, und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung fragt: "Wie geht es den Männern? Und wie geht es allen anderen mit den Männern?" Na ja, was soll man sagen – schlecht halt. Die Männer hampeln herum, nicht einmal Kaffee können sie bestellen wie normale Leute, sie führen zackige, unsichere Bewegungen aus, wie sehr dumme Fische, die an Land gestrandet sind. Weil sie auch das Autofahren verlernt haben, sitzen sie jetzt breitbeinig in der U-Bahn oder kaufen sich die hässliche G-Klasse von Mercedes und parken in meiner Straße alles zu. Und wenn Männer nicht gerade anderen den Platz wegnehmen, geben sie die weinerlichen Opfer. Die einen sind ganz traumatisiert, weil sie, im Erwachsenenalter wohlgemerkt, Kevin Spacey über den Weg gelaufen sind, der ihnen seinen Penis gezeigt hat. Die anderen leiden, weil in ihrer Straße 2007 mal eingebrochen wurde, vermutlich von Ausländern; sie wählen deswegen jetzt die Alternative für Deutschland.

Manches ließe sich ja noch ertragen, wäre der Mann bei alledem nicht auch noch so geschwätzig. Da denkt man an die Szene aus Sopranos, als Tony fragt: Was ist bloß aus Gary Cooper geworden, dem starken, stillen Typ Mann? Ach ja: Der hat gelernt, über seine Gefühle, Sorgen, Ängste zu sprechen. Und jetzt hört er nicht mehr auf zu plappern. (Lars Weisbrod)

Pro

Okay, sie haben gerade eine schlechte Presse. Auf Twitter, in der Bild oder im ZDF trifft man Drogis in Dauererektion, Grapscher, Fummler, Rammler, und, wenn jemand mit dem Finger auf sie zeigt – huschhusch, sind sie in der Kulisse. Freundlicher formuliert: Die Heroen der Kulturwelt fallen wie die Helden vor Troja nach rechts und links.

Also besser – ohne Männer? Echt jetzt?

Man denke an Opa und seinen Rasierschaumflavour. An David von Michelangelo mit seiner Glitzer-Marmor-Schönheit. An die Witze von Loriot, an Fred Astaires flinke Füßchen und Cary Grants seidige Anzüge, an die zitternden Lippen von Colin Firth in The King’s Speech, an den Jungen in Boy, an seine ganze Unschuld, und sofort wird klar: Es ist absurd, solche Wesen mit den Rammlern auf eine Stufe zu stellen, niederträchtig, Mannsein auf Machtgetöse und impotentes Gespreize zu reduzieren.

Der Mann ist ein Kulturgut. Er müsste als World Heritage geschützt werden. Männer sind die Alternative zum Frausein. Ohne Männer wäre Frausein alternativlos. Ein totalitärer Albtraum. Schon der globale Kapitalismus gibt sich alternativlos, das Resultat, bitte sehr: einmal den schönen Globus geschreddert, bisschen Bankencrashs getriggert, dann mitleidloses Kaputtsparen der einen für die Renditen der anderen – tja, Girls und Boys, leider alternativlos.

Ohne Boys lebten wir in einem alternativlosen Zickenkrieg. Das war schon in der Mädchen-Ecke des Kindergartens der Wahnsinn. Alles Rosarosarosa und Gezeter: Ich sage jetzt und dann sagst du und dann gehe ich und dann machst du, als Endlosschleife. Noch schlimmer: Ohne Männer gibt es keine Frauen. Entsetzlich! Ohne Männer und ohne Frauen würden wir mutieren zu bleichgesichtigen, selbstbefruchtenden Schlümpfen, wären Muffis, Schlauris, Faulis und Schürfis – mümmelnde Kindermonster. Wo bliebe das raffinierte Geplänkel der Geschlechter? Und, nur mal so angedacht: Ohne Frauen – wer machte noch Männerwitze? (Susanne Mayer)