Zürich. Draußen rauscht auf vier Spuren der Verkehr durch die Rosengartenstraße. Drinnen herrscht, zwei Stockwerke über den Autos und Lastwagen, wohlige Ruhe in den weiß getünchten Atelierräumen von Manuela Pfrunder. Große Fenster, aufgeräumte Regale, leere Tische. Am Radio läuft leise Jazz, so wie immer, wenn sie arbeitet.

DIE ZEIT: Frau Pfrunder, Sie eröffnen unsere neue Serie "Über Geld spricht man nicht". Sie selber durften elf Jahre nicht über Geld reden. Über jenes Geld, das Sie für die Schweizer Nationalbank gestaltet haben. Wie schweigt man so lange?

Manuela Pfrunder: Indem man über andere Dinge redet. Oder das Thema so umschreibt und verklausuliert, dass man eben doch darüber reden kann.

ZEIT: Das heißt?

Pfrunder: Ich hatte ja eine Geheimhaltungsvorgabe der Nationalbank. Es geht vor allem darum, dass man nicht über Dinge spricht, die für Geldfälscher interessant sein könnten. Ich hatte zum Glück mein kleines Team, mit dem ich alles besprechen konnte. Aber manchmal wäre es befruchtend gewesen, wenn ich mit Außenstehenden, mit anderen Fachleuten, über meine Arbeit hätte reden können.

ZEIT: War das Schweigen die schwierigste Vorgabe, die Ihnen die Nationalbank gemacht hat?

Pfrunder: Nein, das würde ich nicht sagen.

ZEIT: Was denn?

Pfrunder: Schöne Frage! Schwierig waren jene Vorgaben, die widersprüchlich sind. So musste ich ein Produkt für die Bevölkerung schaffen, durfte es der Bevölkerung aber nicht zeigen.

ZEIT: Sie reden in Rätseln.

Pfrunder: Weil ich weiterhin der Geheimhaltung unterstehe und Ihnen gar nicht erzählen darf, was die konkreten Probleme waren und wie der Prozess abgelaufen ist.

ZEIT: Die Verschwiegenheitspflicht währt ewig?

Pfrunder: (lacht) Klar!

ZEIT: Okay, versuchen wir es anders. Sie waren 26 Jahre alt, als Sie den Auftrag erhielten, die neuen Schweizer Banknoten zu gestalten. Gab es Momente, in denen Sie das Projekt verflucht haben?

Pfrunder: (überlegt lange) Ich war mindestens fünfmal am Punkt, an dem ich den Auftrag ad acta legen wollte.

ZEIT: Hinschmeißen?

Pfrunder: (lacht) Drei Tage später habe ich dann trotzdem weitergearbeitet.

ZEIT: Wie hat das Ihre Auftraggeberin aufgefasst?

Pfrunder: Gar nicht. Sie hat nie davon erfahren, das blieb im Team. Zeitweise war die Belastung sehr, sehr groß. Am schwierigsten waren die vielen Verzögerungen, es war jahrelang nicht absehbar, wie lange das Projekt noch dauert. Während sechs Jahren habe ich immer wieder gesagt: In zwei Jahren bin ich fertig! Dann hat sich die Sache wieder verschoben. Das war sehr energieraubend.

ZEIT: Warum haben Sie trotzdem immer weitergemacht?

Pfrunder: Vermutlich weil wir schon so weit waren, als die erste Krise kam. Wenn ich das Bild eines Berges bemühen darf: Wir wussten lange nicht, wie hoch der Berg ist. Aber wir sahen, dass das Tal schon sehr weit unten ist. Hinzu kommt, dass ich Dinge, die ich anpacke, auch durchziehen will.

ZEIT: Was ist das Besondere daran, eine Banknote zu gestalten?

Pfrunder: Man muss detailversessen sein, sich um die allerkleinsten Dinge kümmern und gleichzeitig den Blick für das große Ganze wahren. Das galt in Bezug auf das konkrete Projekt, aber auch im übertragenen Sinn, im Umgang mit den eigenen Kräfte. Man musste sich sehr stark, sehr leidenschaftlich hineingeben und immer wieder Abstand nehmen, sich neu sammeln, weil es derart komplex ist ...

ZEIT: ... dass man wahnsinnig werden könnte?

Pfrunder: (lacht) Sozusagen!