Liebe Gemeinde am Heiligen Abend, liebe Schwestern und Brüder, denn das sind wir ja durch das Kind in der Krippe nun alle geworden!

"Wisst ihr noch, wie es geschehen?" Viele Male haben wir es in den letzten Tagen in der Gemeinde gesungen, wenn wir wieder ein Adventskalendertürchen geöffnet haben.  Aber ich weiß nicht, ob es wirklich so war, damals in Israel, in Bethlehem. Ich war nicht dabei. Nur Maria und Joseph waren dabei. Maria garantiert. Joseph vermutlich.  Aber warum hat sie es nur dem Evangelisten Lukas erzählt und nicht auch Markus, den sie vielleicht noch gekannt haben könnte, oder dann wenigstens Matthäus oder Johannes? Die kennen oder erzählen zumindest keine Geschichte, wie sie uns Lukas erzählt.

Aber diese Geschichte ist eine klare Ansage Gottes. Und die ist wahr.  Ob die Geschichte so war, weiß ich nicht, aber die Ansage Gottes ist wahr.  Manchmal sind eben Dinge, die nicht waren, wahrer als Dinge, die waren. Denn nur wahre Geschichten währen lange, haben lange Gültigkeit und verändern die Welt.

Der früheste Evangelist Markus erzählt keine Geschichte von Weihnachten. Vielleicht weil er keine kannte oder vielleicht weil sie ihm nicht wichtig war. Und die späteren, Lukas und Matthäus und Johannes, erzählen jeweils eine andere. Eben um damit ihre Deutung von der wahren Geschichte vom Kreuzestod Jesu vorzubereiten. Wer Weihnachten ohne Ostern feiert, der isst von der Gans nur die Haut. Ich weiß, dass manche das gern machen, aber leben kann man davon doch nicht!?

Warum erzählt Lukas im Namen Gottes ausgerechnet die Geschichte vom Kind in der Krippe? Denn eine Gewinnergeschichte ist das doch nun gerade nicht! Weil eben das die klare und wahre Ansage Gottes ist: Es ist kein Platz für Gott in der Welt!

Und ist das nicht auch unsere Erfahrung der letzten Wochen? Die Kirche hat uns eine Adventszeit auf Weihnachten geschenkt, auf das Kommen Jesu in die Welt. Vorbereitung auf das Kommen Gottes in die Welt! Advent, Ankunft Gottes in der Welt.

Und wozu haben wir sie genutzt? Wir haben Weihnachtsmärkte besucht und Weihnachtsfeiern gemacht, mitten im Advent. Sie alle hätten eigentlich Adventsmärkte und Adventsfeiern heißen müssen. Und meist kamen die Lieder dabei nur aus der Konserve. Und zur Kirche waren auch viele nicht, zumindest nicht, wenn ich da war. Aber wenn in der Adventszeit die Hauptsache nicht die Hauptsache ist, wie soll dann zu Weihnachten die Hauptsache die Hauptsache sein? Oder wenigstens werden?

So wie damals in Israel, in Gottes Heiligem Land, in Bethlehem, in Gottes Schöpfung kein Platz war für Gott, so war in unserer Vorweihnachtszeit kein Platz für Gott. Wir hatten mit Vorbereitungen, mit Briefen und mit Geschenken zu viel zu tun. Und ich nehme mich da gar nicht aus! So viel besser, als Sie denken, bin ich dann da leider auch nicht!

Es ist kein Platz für Gott in seiner Schöpfung, weil wir ihm keinen Raum geben. Und so wird der Schöpfer unserer Schöpfung eben in einer Krippe geboren, tritt so weit zurück, dass er als Mensch dorthin gelegt wird, wo sich eigentlich Ochs und Esel ihr Futter nehmen.

Es gibt eine kleine Geschichte, die von diesem Hochmut der Menschen Gott, dem Schöpfer, gegenüber erzählt: Die Creme der Forscher glaubt endlich dem Geheimnis der Schöpfung, oder wenn Sie mögen der Evolution, auf die Spur gekommen zu sein und fordert Gott heraus. Und Gott lässt sich auf diese Herausforderung ein. Beide, Gott und die Forscher, sollen noch einmal die Erde neu schaffen. Aber als sie beginnen und die Forscher alle ihre Vorbereitungen getroffen haben, sagt Gott: "Wir können das machen. Aber dann darf natürlich jeder nur von seiner Erde nehmen ..." (Oder: Aber jeder nimmt von seiner Erde.)

Lukas erzählt seine Weihnachtsgeschichte so, wie wir sie kennen, weil in der Krippe schon das Kreuz zu spüren ist. Wer in der Krippe geboren ist, landet eben vielleicht später am Kreuz. Die moderne Soziologie und Pädagogik bestätigt das. Wer unter so misslichen Bedingungen wie in einem Stall geboren wird, bringt es im Leben oft zu nichts.

Der Erfolg unseres Leben und das Ende unseres Lebens ist uns meist schon in die Wiege gelegt. Das Leben Gottes in der Welt endet also so, wie es angefangen hat – ausgegrenzt, ausgeschlossen, am Rande! Von den Menschen nicht akzeptiert!