Die einzige Voraussage, die das neue Jahr garantiert überleben wird, ist "kein Bleigießen an Silvester 2018", weil die EU es verboten hat. Wie schade, dass sie mit ihrer Regelungswut zu kurz gegriffen und nicht alle Prophezeiungen schon immer auf den Index gesetzt hat. Dieser Autor hätte dann nicht verkündet, Trump werde 2017 keinesfalls ins Weiße Haus einziehen. (Als lahme Ausrede kann er nur auffahren, dass Hillary Clinton drei Millionen Stimmen mehr bekommen hat.)

Die Ökonomen (hier auch als "Wirtschaftsweise" bekannt) wären ebenfalls bescheidener geblieben. Laut einer Umfrage von Bloomberg haben sie bei ihrer Voraussage für das Wirtschaftswachstum 2017 kräftig danebengegriffen. Der Euro-Zone haben sie 1,4 Prozent geweissagt; tatsächlich waren es 2,3. Russland wuchs nicht um 1,1 sondern um 1,8 Prozent. Japan, das ewige Sorgenkind, hat 1,6 Prozent geschafft, nicht 1,0. Amerika erlebt keine Trump-Rezession; es wächst mit soliden 2,3 Prozent und genießt Vollbeschäftigung.

Der liebe Gott hat uns den aufrechten Gang und das größere Gehirn geschenkt, aber nicht die Gabe der Zukunftsschau. Da hilft auch nicht die künstliche Intelligenz. Das Hirn ist eben so gebaut, dass es nach vorn verlängert, was gestern war. Es "extrapoliert" und rechnet hoch, was im Ergebnis so zuverlässig ist wie die Wahlumfragen.

Zu Recht warnt der Volksmund: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Seit den Zeiten des Großmeisters Keynes verfolgen wir das Auf und Ab der Konjunktur. Doch notiert der Morgan-Stanley-Ökonom Ruchir Sharma: Die Propheten "haben keine einzige US-Rezession vorausgesagt, seit die Zentralbank vor einem halben Jahrhundert die Daten zu sammeln begann". Der Konjunktur-Zyklus macht, was er will.

Kann der Prophet aus der Vergangenheit überhaupt nichts lernen? Werfen wir die Computer an. Unter Donald Trumps Reform darf sich Amerika auf eine Steuersenkung von 1,5 Billionen Dollar (über zehn Jahre) freuen. Und das Defizit? Kein Problem, weil weniger Steuern das Wachstum und so die Staatseinnahmen erhöhen würden. Das haben vor ihm Ronald Reagan und der jüngere Bush probiert. Nun hat der Haushaltsdienst des Kongresses nachgerechnet. Das grobe Fazit: In beiden Fällen kam weniger in die Staatskasse – ein Minus in zwei- oder dreistelliger Milliardenhöhe. Der Kongress musste die Steuern wieder hochfahren.

Wenn zweimal das Gleiche passiert, darf man folgern, dass sich die Geschichte unter Trump wiederholen werde, aber nur mit der üblichen Ceteris-paribus-Kautel der Ökonomen: Alle anderen Faktoren bleiben gleich. Tun sie aber nicht; der Alte Adam findet immer einen Weg, die Algorithmen zu foppen. Weniger Steuern erhöhen nicht unbedingt Konsum, Investitionen und Wachstum, die das Staatssäckel füllen. Denn unser Adam weiß nicht, was morgen passieren wird, und legt deshalb seine Steuerersparnis auf die hohe Kante.

Wird Merkel Silvester 2018 noch im Amt sein? Wird die deutsche Wirtschaft weiter boomen? Werden die Proteste die Teheraner Theokratie hinwegfegen? Weissagen Sie nur; niemand wird Sie 2019 deshalb verklagen. Weiser ist es dennoch, sich an den schlauen US-Baseball-Star und Gebrauchsphilosophen Yogi Berra zu halten. Der konstatierte: "Ich mache nie Voraussagen, schon gar nicht über die Zukunft."