Was sind die Leute kompliziert geworden. Alle stellen sie Ansprüche. Die einen wollen gleichgeschlechtlich heiraten, die anderen, dass man Schaumkuss statt Mohrenkopf sagt. Und dann gibt es noch die, denen das zu viel wird und die nichts Schlechtes in dem Wort Mohrenkopf erkennen können.

Mittendrin ist Asadeh Ahmadi (Name geändert). Sie ist 26 Jahre alt, geboren in Afghanistan, aufgewachsen in Frankfurt. Sie will ein Kopftuch tragen. An diesem Tag im August ist das Tuch dunkelblau, einmal um den Kopf geschlungen. Auch Hemd und Jeans sind dunkelblau. Das Tuch steht ihr gut, aber es ist natürlich kein Kleidungsstück, das sie einfach anzieht, weil es zur Garderobe passt. Ahmadi trägt gewissermaßen den Kampf der Kulturen auf dem Kopf.

Was sind überhaupt Gepflogenheiten?

Dabei geht es nicht allein um den Schleier an sich. Der Schleier steht zur Diskussion, weil er große gesellschaftliche Fragen vermeintlich auf den Punkt bringt. Wenn Einwanderinnen oder ihre Töchter ihr Haar bedecken, heißt das, dass sie sich nicht an "unsere" Gepflogenheiten halten, die Gepflogenheiten des deutschen, europäischen Zusammenlebens? Müssen dem Islam, müssen Ahmadi klarere Grenzen gesetzt werden? Passen Muslime ins Abendland?

Man könnte diese Fragen ohne den Schleier diskutieren. Man könnte die Fragen auch anders formulieren, weniger negativ, zum Beispiel so: Wie muss eine Gesellschaft verfasst sein, damit darin alle Gruppen friedlich miteinander leben können? Entsteht in Europa der säkulare Islam, der in vielen arabischen Ländern unmöglich ist?

Aber das Verhältnis zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen in Europa ist belastet. Um es milde auszudrücken.

Ahmadi kommt 2004 nach Deutschland. Ein brutales Jahr. In Afghanistan verüben die Taliban Sprengstoffanschläge auf die Bundeswehr. In Madrid sterben beim Bombenattentat einer islamistischen Terrorgruppe fast 200 Menschen. Ahmadi legt in diesem Jahr das Kopftuch an. Sie ist gerade erst ein Teenager, aber diese Entscheidung trifft sie allein, ohne Vater und Mutter, ohne die älteren Schwestern, die keinen Schleier tragen.

Im selben Jahr beschließt Frankreich ein Kopftuchverbot an Schulen. Überall im Land werden verschleierte Mädchen des Unterrichts verwiesen. Islamisten entführen im Irak zwei französische Journalisten und verlangen, dass das Gesetz widerrufen wird. (Wird es nicht, aber angeblich hat die französische Regierung Millionen Euro Lösegeld gezahlt, was sie bestreitet.)