DIE ZEIT: Herr Berne, Sie erforschen seit neun Jahren Schnee. Wie sind Sie dazu gekommen?

Alexis Berne: Ich bin Fan von allem, was man mit Schnee draußen in den Bergen anstellen kann. Und ich mag es, dass ich viel draußen bin und in einer schönen Landschaft arbeite, auch wenn es kalt ist. Es gibt so vieles, was wir über die Flocken noch herausfinden können. Wir wissen zum Beispiel bis heute nicht, wie viel Schnee über den Alpen herabfällt. Das ist ein großer Ansporn für mich als Forscher.

ZEIT: Was genau wollen Sie denn herausfinden?

Berne: Ich versuche zu erklären, was oben in der Atmosphäre geschieht, wenn wir es hier am Boden schneien sehen. Und ich arbeite daran, mehr über die Menge des Schneefalls und die Formen der Flocken herauszufinden.

ZEIT: Und wem bringt das was?

Berne: Wenn man mehr über Flocken und Schneefall weiß, kann man auch besser vorhersagen, wann es wo und wie stark schneien wird. Das betrifft ja das Leben von vielen Menschen: ob man nun überlegt, was man anzieht, welche Wege man nehmen kann, um Waren zu transportieren, oder wohin man in den Urlaub fährt.

ZEIT: Und wann man eine Schneeballschlacht machen kann. Gibt es dafür eigentlich besonders guten Schnee?

Berne: Ein Schneeball muss in Form bleiben, und je schwerer er ist, desto besser kann man ihn werfen. Dafür braucht es Schnee, der einen hohen Flüssigkeitsanteil hat. Solche feuchten und schweren Flocken entstehen bei um die null Grad Celsius.

ZEIT: Was genau fasziniert Sie persönlich so an den eisigen Flocken?

Berne: Dass sie so viele verschiedene Formen haben. Schneeflocken ähneln einander, und doch ist jede einzigartig. Ich finde sie wunderschön, für mich sind es Kunstwerke.

ZEIT: Begeistern Sie uns und erzählen Sie etwas Spannendes über Schnee!

Berne: Oh, da gibt es so viel. Zum Beispiel, dass Schneeflocken langsamer vom Himmel fallen als Regentropfen. Oder dass die meisten Menschen denken, Schneeflocken sähen wie kleine Eis-Sterne aus. Dabei ist diese Flockenart bei uns in Europa gar nicht so häufig. Und es gibt wahnsinnig viele Schneeflocken, die so klein sind, fast unsichtbar, dass man sie gar nicht sieht, wenn sie vom Himmel fallen.

ZEIT: Wenn die Flocken so klein sind, wie erforschen Sie die denn?

Berne: Wir haben spezielle Instrumente. Mit einer besonderen Kamera können wir zum Beispiel Exemplare aufnehmen, die 35 Mikrometer klein sind. Zum Vergleich: Ein einzelnes Haar ist etwa dreimal so dick. Mit Fluggeräten sammeln wir Proben oben in der Luft, am Boden arbeiten wir mit Radargeräten, die Reflexionen der Flocken aufzeichnen. Die verschiedenen Methoden kombinieren wir, um möglichst viel herauszufinden. Das perfekte Schneeflocken-Untersuchungsgerät haben wir bisher nicht.

ZEIT: Ist es schwer, Schneeflocken zu erwischen?

Berne: Ja, weil der Wind sie so schnell verweht. Und sie sind sehr zerbrechlich und gehen leicht kaputt, wenn sie auf etwas Hartes treffen.

ZEIT: Gibt es Momente bei Ihrer Arbeit, in denen Sie selbst dastehen und nur staunen?

Berne: So ging es mir, als ich vor zwei Jahren die Bilder gesehen habe, auf denen wir mit unserer Spezialkamera fallende Schneeflocken aufgenommen hatten. Ein Bild setzt sich aus vielen Einzelaufnahmen zusammen, die übereinanderliegen – so als würde man die Flocke gleichzeitig aus verschiedenen Richtungen betrachten.