Es ist nur ein kleines Gemälde, Öl auf Holz, in der Kunsthalle hängt es, bei den Alten Niederländern, gemalt vor 350 Jahren von Simon Luttichuys. Ein Stillleben, sehr fromm und theologisch absolut korrekt: Brot und Wein, Leib und Blut.

Aber wie flüchtig leicht schimmert der Wein, wie kunstvoll zerbrechlich das Glas! Sein Stiel schwebt, zur Ranke zaubrisch verdreht, in die Höhe, endend in einem Seepferdchenkopf, einer Feengestalt. Kostbar auch der Griff des Messers, ja selbst das gebrochene Brot, in sanfter Demut, wie die ganze Erscheinung der wenigen Dinge in dieser kleinen Nische aus Stein.

Nein, kein frommes Andachtsbild. Nur die leise Feier des Moments, des ganz kurzen Augenblicks, der Leben heißt, umgeben von einem langen Schlaf. Was immer es ist, das wir auf der Welt sehen und erfahren, ohne es je zu verstehen. Was immer das ist: vielleicht nur dieser Moment aus Licht und Stille. Nur das: Hunger und Durst. Ein kurzer Moment der Not und des Glücks. Bevor alles wieder vergeht. Geleert, verzehrt. Verschüttet, zerkrümelt. Hier ist es aufgehoben: alles, was wir sind, in einer kleinen Nische aus Stein.