Anbetungswürdige Pinguine! Wie sie dicht bei dicht, Ruderfuß an Ruderfuß, in eiligen Schlusssprüngen auf die Eiskante zuhoppeln und in das Wasser purzeln, in dem sie sich augenblicks, wie von einer Sehne geschnellt, in elegant davonschießende Pfeile verwandeln. Was für eine Metamorphose! Das Staunenswerte ist aber nicht so sehr der rasante Wechsel von unnatürlicher Fortbewegung an Land zur übernatürlichen Geschicklichkeit unter Wasser, sondern der Stolz, der schon dem lustigen Hoppeln innewohnt und sich aus dem Bewusstsein der Überlegenheit speist, die sie jederzeit im Wasser beweisen können.

Das Hoppeln der Pinguine ist etwas ganz anderes als das Hoppeln, das die Chefsekretärin in Jacques Tatis Film Mon Oncle zeigt, die von ihrem engen Bleistiftrock zu Schlusssprüngen gezwungen wird. Kein Wechsel in ein anderes Element erlöst sie von der demütigenden Fortbewegung, zu der sie eine herrische Büromode der sechziger Jahre erniedrigt hat. Man könnte es so sagen: Das Hoppeln der Pinguine ist funktional – insofern es der Preis ist für die Adaption der Gliedmaßen ans Leben im Wasser. Das Hoppeln der Sekretärin ist dysfunktional – insofern es nur die Unterwerfung unter ein modisches Ideal zeigt, das Weiblichkeit als Handicap inszeniert.

So ist das mit den Tieren und den Menschen. Interessanterweise hatte mein Freund Georg – der umschwärmte Georg, der zu den Bewohnern meiner Münchner Studenten-WG gehörte – eine Sammlung von Pinguin-Figuren, die zu etwas ganz anderem diente, als die Schönheit tierischer Eleganz zu feiern. Sie sollte vielmehr die Schönheit Georgs ein wenig mindern – auf ein erträgliches Maß reduzieren –, indem sie eine Ähnlichkeit vor Augen führte, die zwischen Pinguinschnabel und seiner Nase gesehen werden konnte. Es war das einzige Detail, das den Eindruck perfekter Harmonie stören konnte. Man musste allerdings erst darauf gestoßen werden, dass Georgs griechisch-klassisches Profil mit seiner ansatzlos der Stirn entspringenden Nase und den weit auseinanderstehenden Dunkelaugen pinguinartig interpretiert werden könnte.

Er selbst hielt viel von dieser Lesart, die er seit Kindertagen, als sie vielleicht noch plausibler war, konserviert hatte. Ich glaubte nicht daran, dass er damit die Frauen, die ihn verfolgten, von einem grotesken Zug seiner Individualität überzeugen konnte. Wenn er über die Leopoldstraße ging, drehten sich die Mädchen spontan nach ihm um oder gingen ein paar Schritte rückwärts, bis er außer Sichtweite war. In Lokalen pflegte er sich so zu setzen – am liebsten hinter eine Säule –, dass er nicht gemustert werden konnte. Man sieht daran, dass auch männliche Schönheit ein Fluch sein kann – und Frauen nicht so schüchtern sind, wie einige heute von sich behaupten.

Die traurige Pointe besteht aber darin: Körperliche Vollendung, die im Tierreich nichts als das Glück der Schöpfung demonstriert und sogar kleine Handicaps wie das Hoppeln der Pinguine mit dem Glanz der Notwendigkeit überhaucht, kann für Menschen umgekehrt selbst zu einem Handicap werden. Es ist, als sei Schönheit in unserer Zivilisation nur mehr ein Unfall, eine Art tatsächlich groteske Ausnahme, für die der, dem sie zu eigen ist, haften muss. Die Frauen, die Georg schön fanden, erwarteten, dass er sie für ihre Bewunderung entschädigte, indem er sich ihnen auslieferte. Manche werden diese Logik bestreiten, und zugegebenermaßen fallen ihr Männer selten zum Opfer. Aber viele Frauen werden es schon erlebt haben, wie ihre Attraktivität als Zumutung empfunden wurde, für die sie mit Bereitwilligkeit zahlen sollten – zum Ausgleich, als Zwangsabgabe an den hässlichen Teil der Menschheit.