Meine Seele schwitzt. Das liegt am Whiskey. Meine Stirn schwitzt auch, aber das liegt an der Hitze. Der Grandgousier, den mir Bruce Boeko auf den Tresen geknallt hat, brennt wie die adipöse Sonne Tennessees. Er wird aus Mais gemacht und hat es in sich. Und ich habe ihn in mir, zwei Gläser bereits, zehn Uhr morgens. Ich denke an die Pick-ups, die mir vorhin, als ich zur Nashville Craft Distillery fuhr, entgegengekommen waren. Amerikas Mittelschicht pendelte schichtwärts. Und jetzt arbeiten die alle, und ich trinke nur, was genau genommen auch Arbeit ist, sich aber so nicht anfühlt. Hier, im Speckgürtel, duckt sich Nashville weg, und die Honky Tonk Road ist nicht mehr zu hören. Ein Memory aus Garagen, Gleisen und Schrotthöfen stattdessen, und Bruce und ich. Diese Reise wird Hölle und Paradies zugleich, dessen bin ich mir jetzt schon sicher. Aber vielleicht muss durch die Hölle gehen, wer ins Paradies will, sage ich mir. Dann sage ich mir noch entschlossener: Du hast es so gewollt! War deine Idee! Wenn ich angetrunken bin, führe ich oft Selbstgespräche, weil ich mich dann verstanden fühle.