Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Der neue Bundesgeschäftsführer der Sozialdemokraten überrascht mit originellen Ideen. Er will, dass seine Partei künftig in jedem Ort des Landes anzutreffen ist. Das verblüfft: Gab es etwa Dörfer oder gar kleine Städte, die bislang ohne SPÖ auskommen mussten? Unvorstellbar. Womöglich ein Grund für den enttäuschenden zweiten Platz bei den vergangenen Wahlen. Ganze Regionen dieses Landes wussten vielleicht gar nichts von der Existenz der Genossen. Während die Schwarzen und Blauen überall bekannt waren wie das falsche Geld, hatten möglicherweise viele Menschen im ruralen Bereich gar keine Ahnung, dass sie noch über eine dritte Wahlmöglichkeit verfügten. Eigentlich ein guter Grund, den letzten Urnengang anzufechten. Ähnlich den irischen Missionaren, die einst in die ganze Welt ausgesandt wurden, sollen nun rote Parteimönche den wahren Glauben der sozialen Gerechtigkeit bis in die entlegenste Scheune tragen. Denn, so hat man richtig erkannt, "den Mundfunk und das persönliche Gespräch kann kein Facebook ersetzen". Politik soll wieder verstanden werden, und "das hat viel mit Sprache zu tun". Eine revolutionäre Erkenntnis. Bisher war man offensichtlich eher der Ansicht, Pantomime und Ausdruckstanz wären die primären Kommunikationsformen, um Politik zu vermitteln. Zudem will der rote Pionier, dass die SPÖ eine gemeinsame Sprache für ganz Österreich findet. Auch löblich, herrschen doch babylonische Zustände im ganzen Land. Der Tiroler versteht die Vorarlbergerin nicht, ganz zu schweigen vom Steirer, der in Kärnten ohne Dolmetsch aufgeschmissen ist. Gesucht wird nur noch der Name des neuen Idioms. Sozisch vielleicht oder gar Kernisch? Aber so wie es aussieht, wird es wohl beim Plattitüdendeutsch bleiben.