Die Lehrerinnen haben es besonders schwer. Im Islamischen Religionsunterricht an deutschen Schulen müssen sie sich, wie ihre männlichen Kollegen auch, mit den Lehren des Islams identifizieren und zugleich die öffentliche Erwartung erfüllen, kritikfähig gegenüber ihrer Religion zu sein. Aber der Druck auf die Frauen ist ungleich größer. Das beginnt mit der Frage: Kopftuch oder nicht? Unverschleierte Lehrerinnen werden immer wieder von Schülern und Eltern gefragt, warum sie kein Kopftuch tragen.

In einigen Schulen verboten konservative Väter ihren Kindern, bei einer unverschleierten Frau den Islam zu lernen. Umgekehrt hat die Mehrheitsgesellschaft kein schmeichelhaftes Bild von Kopftuch tragenden Lehrerinnen. Diese haben auch im Kollegium häufig einen schweren Stand. Für viele Nichtmuslime ist das Kopftuch ein Symbol der Unterdrückung der Frau. Muslimische Lehrerinnen ihrerseits beharren auf der weltanschaulichen Neutralität des Staates und möchten nicht, dass die Symbole ihrer Identität infrage gestellt werden.

Manche muslimischen Studentinnen sind unsicher, ob es sich lohnt, in Deutschland Islamische Religionspädagogik zu studieren. Wer also lehrt heute an deutschen Schulen Islamischen Religionsunterricht? Was macht das Fach schwierig? Welche Rolle sollen die Lehrer bei der Etablierung eines modernen Islams im Westen spielen? Anders gefragt: Welche Lehrer brauchen wir?

In einem berühmten Gedicht von Ahamad Šawqī (1868 bis 1932) steht der Vers: "Der Lehrer ist fast ein Gesandter." Der Lehrer wird hier mit der historischen Person des Propheten Mohammed verglichen. Der Gesandte Gottes hatte nicht nur die Aufgabe, die Lehren des Islams zu verkünden, sondern seinen Mitmenschen auch die religiösen Inhalte der neuen Religion im siebten Jahrhundert vorzuleben. Islamlehrer gelten im kollektiven Bewusstsein der Muslime bis heute als nahezu unerreichbares moralisch-ethisches Vorbild, sie sind die musterhafte Verkörperung gelehrter und gelebter Religion. Daher ist es kein Wunder, dass heutige Lehrer unter hohem Druck stehen.

Sie selbst sind immer wieder einem inneren Zwiespalt ausgesetzt: Einerseits sollen sie die islamische Tradition wahren, andererseits sich um Probleme kümmern, die aus der konkreten Lebenssituation der Schüler in einer westlichen Gesellschaft erwachsen. In ihrer Lehre sollen sie sich an den neuesten wissenschaftlichen Methoden orientieren, andererseits dürfen sie den Kontakt zur traditionellen islamischen Theologie nicht abbrechen. Hinzu kommen die Erwartungen des Staates. Er hofft auf einen nachhaltigen Beitrag der Lehrer zur Integration muslimischer Kinder. Natürlich sollen die Lehrer ihre Schüler auch vor islamistischer Radikalisierung schützen. Sie sollen zur Toleranz in Glaubensfragen erziehen und westliche Werte vermitteln, sie sollen Brücken zwischen den Religionen und anderen Weltanschauungen bauen. Kurz: Wunder wirken.

In der islamischen Welt wie im Westen prägt der Islam die kollektive Identität vieler Muslime stark. Im Alltag ist er omnipräsent und erlaubt vergleichsweise wenig kritische Distanz, weil der soziale Druck groß ist, eine kollektive Identität auszubilden. Von einer Privatisierung der Religion im Sinne einer Individualisierung, wie wir sie von westlichen, säkularisierten Gesellschaften her kennen, kann keine Rede sein. Das muss die Islamische Religionspädagogik beachten. Zugleich muss sie muslimischen Kindern helfen, ihren Platz in einer modernen, pluralen Gesellschaft zu finden. Und sie muss die Kinder befähigen, auch Religionsfeindlichkeit und Islamophobie zu ertragen, zu kontern, zu widerlegen.

Diese Lehrer müssen Brückenbauer sein: zwischen Menschen, Religionen, Kulturen. Sie müssen Glauben lehren, aber auch Glaubenskritik. Sie müssen die Kultur des Schweigens im klassischen Koranunterricht durchbrechen und zu einer Kultur des Dialogs anregen: unter den Muslimen selbst, aber auch zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen. So ebnen sie den Weg nicht nur zum europäischen Islam, sondern auch zum Miteinander der monotheistischen Religionen. Ohne Frieden unter den Religionen wird es keinen Frieden in der modernen Gesellschaft geben. Dieser Frieden beginnt in der Schule. Aber die Friedensstifter brauchen die Unterstützung aller.