An der Wand hängt eine Flagge des FC St. Pauli, neben einem Sofa stehen Bierkisten und ein mit Stickern beklebter Kühlschrank – hier sieht wirklich nichts nach Hochglanz und elitärem Konzerthaus aus. Im dritten Stock des Gebäudes: ein großes Lager für Instrumente, Stühle und alles, was sonst noch vor Ort gebraucht wird, aber keinen festen Platz hat. In der hintersten Ecke dieses Lagers treffen sich diejenigen zum Feierabendbier, die im Haus die Dinge an den richtigen Platz stellen: Techniker, Aufbauer, Aufräumer. Wir fragen vier von ihnen: Wie war ihr erstes Jahr in der Elbphilharmonie?

DIE ZEIT: Wer hatte die Idee für diese Sitzecke?

Timo: Das war ich. Wir wollten einen Ort schaffen, an dem sich alle Arbeiter des Hauses treffen und nach der Arbeit bei einem Bier zusammensitzen können. Den Kühlschrank habe ich mit einem Kollegen aus der Produktion gekauft. Die Lautsprecher sind ein Überbleibsel der Klanginstallation von Brian Eno, der in der ersten Woche aufgetreten ist. Das Sofa kommt aus der Laeiszhalle, und der Tisch ist von einem Restaurant, das ihn ausrangiert hatte.

ZEIT: Und die Flagge?

Timo: Natürlich auch meine. Man muss ja zeigen, wo wir hier sind.

Hefty: Nicht beim HSV!

ZEIT: Die Elbphilharmonie feiert ihren ersten Geburtstag. Was habt ihr in diesem Jahr gemacht?

Cley: Alles! Nee, im Ernst, wir sind hier wirklich für viele unterschiedliche Sachen zuständig. Wir kümmern uns darum, dass zu jeder Zeit in jedem Konzertsaal die richtige Bestuhlung ist, räumen rein und raus, bauen auf und ab.

Heiko: Wenn ein Konzert für Babys ist, stellen wir keine Stühle hin, sondern legen Kissen aus. Wenn im Großen Saal Benjamin Clementine auftritt und es einen Vorhang braucht, kümmern wir uns drum. Wenn im Kleinen Saal die Tribüne eingefahren werden muss, räumen wir die 500 Stühle von ihr runter, und später, wenn sie wieder ausgefahren wird, stellen wir sie wieder auf. Wenn Karl Lagerfeld eine Modenschau im Großen Saal macht, montieren wir 470 Stühle ab.

Cley: Wenn irgendjemand ein Problem hat, heißt es: Mensch, wo sind denn Hefty und Cley? Die können uns doch helfen.

Timo: Die Jungs sind unersetzlich geworden. Ich bin Meister für Veranstaltungstechnik und im Haus für die Tontechnik zuständig. Als wir bei den ersten Proben vor der Eröffnung des Hauses merkten, dass dauernd richtig viel geräumt werden muss, habe ich Cley angerufen, den kannte ich von früheren Veranstaltungen, bei denen wir zusammen auf- und abgebaut haben. Er kam, wir gingen als Erstes in den Kleinen Saal, und er sagte: Du kannst mich jederzeit anrufen, wenn du Hilfe brauchst.

Cley: Ich war total geflasht. Seitdem bin ich mit meiner Firma Intensa externer Dienstleister für die Elbphilharmonie. Hefty war von Anfang an in meinem Team, Heiko kam vor ’nem halben Jahr dazu.

ZEIT: Was hat sich in der Zeit verbessert?

Hefty: Vor allem der Transport der Stühle. Am Anfang passten nur zwei auf einen Wagen. Jetzt haben wir zehn Wagen mit zwei Ebenen, auf die kriegen wir, wenn wir geschickt sind, sieben Stühle. Das ist deshalb so entscheidend, weil wir immer mit dem Fahrstuhl fahren müssen, um sie ins Lager zu räumen. Und die Fahrstühle in der Elbphilharmonie sind extrem begehrt.

Heiko: Der zum Stuhllager wird von allen genutzt. Die Techniker, die ins Dach müssen, brauchen ihn, alle Leute, die für die Gastronomie arbeiten. Die müssen ja zig Bars und Tresen im Haus bestücken. Wie viel Zeit wir schon mit Warten verbracht haben. Wenn unser Boss Cley das wüsste ...

ZEIT: Wenn ihr zurückdenkt: Welche Auftritte waren für euch die größten Erlebnisse?

Cley: Gregory Porter. Ich mein, Gregory Porter war in der Elbphilharmonie! Er hat ein Tribute-Konzert gespielt, nur Songs von Nat King Cole. Ich war total ergriffen, konnte hinterher noch mit ihm und zwei seiner Band-Mitglieder sprechen. Wahnsinn, was hier alles geht.

Timo: Für mich war es gleich am Anfang der Jazzpianist Brad Mehldau. Es war das erste Mal, dass etwas anderes als Klassik im Großen Saal gespielt wurde. Wir haben die Nacht getüftelt, dass wir den perfekten Klang hinkriegen. Die Lautsprecher beim Klavier haben wir auf den Rücken gelegt. Da stand in der Zeitung, es habe ausgesehen wie Radkappen, aber der Klang war eins a.