Wolken entstehen, indem Wasser an der Erdoberfläche verdunstet und in die Höhe steigt. Alle Schadstoffe und Mineralien bleiben zurück – es handelt sich also im Grunde genommen um destilliertes Wasser. Das kann man ohne große Probleme trinken, wie wir schon in der Frühzeit von Stimmt’s? geklärt haben (ZEIT Nr. 39/97).

Aber wenn der Regen zur Erde fällt, reichert sich das Wasser an: mit Staubpartikeln, Pollen, Säuren und sogar Bakterien. Ob man es danach noch trinken kann, hängt von der Luftqualität ab. Nicht nur die Verschmutzung durch den Menschen ist relevant, in der Nähe aktiver Vulkane zum Beispiel liegt eine Menge Schwefel in der Luft.

Aber die Luft ist heute sauberer als noch vor ein paar Jahrzehnten. "Saurer Regen" ist kein großes Problem mehr, und ein wenig Säure im Trinkwasser ist weitgehend unbedenklich. Doch es gibt ein Restrisiko, vor allem durch Bakterien, deshalb ist Regenwasser in der EU nicht als Trinkwasser zugelassen.

Wie groß ist die Gefahr wirklich? Australische Forscher haben 2007 ein Experiment gemacht (veröffentlicht im American Journal of Public Health): Sie fanden in Adelaide 300 Familien, die bereits Regenwasser tranken. Alle bekamen eine Filtrieranlage, mit der das Wasser angeblich gereinigt wurde, aber nur in der Hälfte der Haushalte enthielten die Geräte tatsächlich einen Filter. Ein Jahr lang wurden alle Fälle von Magen-Darm-Erkrankungen erfasst – und es gab zwischen den beiden Gruppen keine großen Unterschiede.

Wer ein Glas Regenwasser trinkt, das direkt aufgefangen wurde und nicht etwa über ein mit Vogelkot verunreinigtes Dach geflossen ist, muss keine Bedenken haben. Auf Dauer sollte man das jedoch nur tun, wenn man das Wasser abkocht und mit einem Wasserfilter reinigt.

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