Seit Helmut Kohls Formulierung von der "geistig-moralischen Wende", die das öffentliche Gemüt seinerzeit mehr empört hat als jeder reale Politikwechsel, haben sich die beiden Lager in Deutschland in einer schizophrenen Arbeitsteilung eingerichtet: Die Bürgerlichen dürfen das Land regieren, die Linken und Liberalen es interpretieren. Die einen haben die Handlungs-, die anderen die Deutungsmacht. Beide Seiten scheinen mit ihrer jeweiligen Rolle vollauf zufrieden. Als hätten sie sich gesagt: Jeder, was er kann.