Ich könnte aus dem Gedächtnis keinen Film nennen, in dem Gerard Butler mitgespielt hat. Aber ich weiß, wo ich den britischen Schauspieler jederzeit sehen kann: im Flugzeug. Egal, bei welcher Airline, egal, auf welcher Strecke, Gerard Butler ist immer da. Im Bordshopping-Magazin, das neben dem Sicherheitsblatt und der Spucktüte in der Sitztasche vor mir steckt.

Meines Wissens existiert im deutschsprachigen Luftraum seit Jahren kein Bordshopping-Magazin ohne Gerard Butler. Das fiel mir erstmals auf, als ich vor langer Zeit auf einem kalt-trockenen und "Snack" genannten Etwas herumkaute und gelangweilt ein solches Heft aufschlug. Seitdem habe ich diese Mediengattung eingehend analysiert und bin überzeugt davon, dass Butler darin eine geheime Botschaft übermitteln will.

Bordshopping-Magazine haben immer drei Schwerpunkte, nämlich "Uhren und Schmuck", "Parfum und Kosmetik" und "Schnaps und Tabak". Alle abgebildeten Models schauen ernst. Und irgendwo gibt es immer ein Foto von Butler. Wahrscheinlich weil er besonders ernst gucken kann. Gegenwärtig findet man ihn bei den Uhren, wo er entweder eine Frau an den Schultern packt oder auf einem Regiestuhl sitzt, in jedem Fall aber eine Festina am Handgelenk trägt. Dazu der Satz: Time to live – "Zeit, zu leben".

Früher, also noch bevor Butler sich diese Zeit nahm, warb er als "Man of Today" in den Parfum-Kapiteln für den Herrenduft Boss Bottled. Auch das mit ernster Miene. Ein Mann der heutigen Zeit hat es nämlich nicht leicht, und manch einer kompensiert den Stress auf ungesunde Weise. Ich übersetze Boss Bottled innerlich jedenfalls immer mit "der abgefüllte Chef". Deswegen trinke ich an Bord eines Flugzeugs auch nie Alkohol. Butler, das ist die Botschaft aller Bordmagazine, hat die Gefahren offenbar erkannt. Er rät, sich lieber Zeit zum Leben zu nehmen, als diese mit dem Kauf von nutzlosem Krempel zu verbringen.