Es ist Geburtstag, aber keiner mag feiern. 1918, also vor genau 100 Jahren, begann die Spanische Grippe ihren mörderischen Triumphzug um die Welt. In den folgenden zwei Jahren starben viele Millionen Menschen an ihr (siehe Kasten).

Auch wenn keine Pandemie seitdem so tödlich verlief, gab es immer wieder verheerende Influenza-Ausbrüche. Nun steht die neue Grippe-Saison bevor, und viele fragen sich, wie heftig sie wohl in diesem Jahr ausfallen wird. Aus Australien etwa kam die Nachricht, dass der diesjährige Impfstoff nur schwach wirke, in Großbritannien hat man derzeit mit ungewöhnlich vielen Influenza-Kranken zu tun. Beunruhigende Nachrichten im Jubiläumsjahr.

Noch sind die aktuellen Turbulenzen normale Erscheinungen des Dauerkampfs gegen das Virus. Bisher deutet nichts auf eine außergewöhnliche Grippesaison. Für Deutschland registrierte die Arbeitsgemeinschaft Influenza bis Redaktionsschluss nur eine moderat erhöhte Aktivität. Trotzdem hat die Erfahrung gelehrt, dass sich chronisch Kranke, Menschen über 60 Jahre, Schwangere und immungeschwächte Menschen wappnen sollten. Schon für Gesunde ist eine echte Grippe eine Tortur. Der normale Schnupfen schleicht sich an sein Opfer heran, beginnt mit einem Kratzen im Hals, und bald läuft die Nase. Die Influenza indes schlägt innerhalb von Stunden zu. Betroffene fühlen sich sehr matt, entwickeln Fieber, fangen an, trocken zu husten, wollen nur noch ins Bett. Wer plötzlich Atemnot spürt oder Schwindelgefühle, sollte zum Arzt gehen. In den Wintermonaten erkranken in Deutschland zwischen zwei und zehn Millionen Menschen an Influenza – bis zu 20.000 Menschen sterben daran. Lässt sich daran denn gar nichts ändern?

"Die stärkste Waffe ist noch immer die Impfung", sagt Barbara Gärtner, Virologin am Universitätsklinikum des Saarlandes. "Besonders akzeptiert ist sie leider nicht." Das liegt auch daran, dass immer wieder darum gestritten wird. Mal gibt es zu wenig Impfstoff, dann steckt darin ein umstrittener Zusatz, und in diesem Jahr wirkt sie offenbar nicht besonders gut. Die Impfstoffherstellung ähnelt eben einem Glücksspiel. Verschiedene Influenza-Varianten kursieren auf der Erde: Influenza B und Influenza A mit zwei Subtypen – also insgesamt drei. Weil sich diese Subtypen jedes Jahr leicht ändern, schneidern die Impfstoffhersteller jedes Jahr einen neuen Dreifach-Impfstoff.

Wer sichergehen will, sollte sich impfen lassen. Was aber, wenn man den Termin im Herbst verpasst hat? Bis der Impfschutz wirklich greift, dauert es 14 Tage, und inzwischen sind die Praxen voll mit schniefenden Patienten. Da scheint das Risiko eines Arztbesuches größer als der potenzielle Nutzen. Wer Risikopatient sei, sagt Barbara Gärtner, solle seinen Arzt vorher anrufen. In den meisten Fällen kann der Patient am Sprechzimmer vorbeigeschleust werden. Wie gut die Vakzine schließlich funktioniert, ist jedes Mal ungewiss und von Region zu Region unterschiedlich. Mal gewinnt der Mensch, mal das Virus.

In diesem Jahr gibt es eine weitere Komplikation. Seit Längerem existiert auch von Influenza B ein Duo, Victoria und Yamagata. Mal gab es ein Victoria-Jahr, dann wieder eines, in dem Yamagata die Bühne gehörte. Doch immer häufiger sind im Winter beide Influenza-B-Linien on Tour, und deshalb legte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2013 den Einsatz eines Vierfach-Impfstoffs nahe, allerdings etwas halbherzig: Die Länder sollten sich aussuchen, ob sie die Bevölkerung dreifach oder vierfach schützen wollten.