Irgendwann, das war allen in der neuen schwarz-blauen Regierungskoalition klar, würde der rechte Rand der FPÖ die Eintracht stören. Das geschah nun früher als erwartet. Das Nazi-Liederbuch aus der pennalen Burschenschaft des freiheitlichen Spitzenkandidaten Udo Landbauer, in dem die Opfer des Holocaust verhöhnt werden, trübte den Endspurt des blauen Wahlkampfs in Niederösterreich – und kostete die Freiheitlichen wohl auch ein paar Prozentpunkte. Trotzdem hielt die Partei unbeirrt an Landbauer fest, fast trotzig wurde er verteidigt.

Auch wenn Heinz-Christian Strache kürzlich etwas anderes behauptete: Die FPÖ und die Burschenschaften sind eng miteinander verwoben und aufeinander angewiesen. Die einen, um brauchbares Personal zu rekrutieren, die anderen, um politischen Einfluss zu erlangen. Dabei schaden die völkischen, deutschnationalen Verbindungen, ob pennale Schülerverbindungen oder studentische Bünde, dem Bild der Partei. Während Heinz Christian-Strache versucht, staatsmännisch als Vizekanzler aufzutreten, entwickeln sich Korporierte zum Störfaktor. Sie verachten ideologische Kompromisse. Ein unauflösbares Dilemma.

Die Geschichte der FPÖ ist auch eine Geschichte der Burschenschaften, deren Bedeutung in der Partei schwankte. Mal waren sie mächtiger, dann wieder an den Rand gedrängt. Sollte die Partei auf regierungstauglich getrimmt werden, waren sie im Weg, und ihr Einfluss ging zurück. Jörg Haider entmachtete die Burschen in den neunziger Jahren fast völlig und umgab sich mit den windschnittigen Günstlingen seiner Buberlpartie.

In Krisenzeiten wurde aber immer auf Korporierte zurückgegriffen, sie waren, gerade wenn Not am Mann war, das Rückgrat der Partei – ohne sie würde es die FPÖ in ihrer heutigen Form nicht mehr geben.

"Für die Partei ist das ein zweischneidiges Schwert", sagt Lothar Höbelt, Historiker an der Universität Wien, einst FPÖ-Berater und Mitautor des Parteiprogramms von 1997. In der Außenwirkung würden Burschenschafter dem Ansehen der Partei schaden. "Für die Wählerschaft sind all diese Vereinigungen elitär und exklusiv und potenziell ein Stein des Anstoßes", sagt er. Andererseits stünden sie fast bedingungslos treu zur Partei.

Nach der Abspaltung des BZÖ habe sich "die Spreu vom Weizen getrennt", sagte Strache in einem Interviewbuch mit Andreas Mölzer, das im Jahr 2006 erschien. "Das waffenstudentische Lager" sei "der Rückhalt" gewesen und habe "wie immer in Krisenzeiten Verantwortung übernommen".

Strache holte die Burschenschafter zurück, er konnte gar nicht anders. Er hievte sie in wichtige Parteifunktionen und nahm das Bekenntnis zur "deutschen Volks-, Sprach- und Kulturgemeinschaft" wieder in das Parteiprogramm auf. Und die Korporierten wiederholten nicht den Fehler von früher: Sie ließen die Partei nicht mehr los. Nun sitzen Mitglieder von Burschenschaften, aber auch deutschnationalen Mädelschaften, im Parteivorstand und in den Landesparteien. Ein Drittel der Nationalratsabgeordneten gehört einem Bund an, sie werden in Ministerkabinette geholt und in staatsnahe Betriebe gesetzt. Das Reservoir an gut ausgebildetem Personal abseits der Verbindungen ist in der FPÖ winzig; ein leichtes Spiel für Korporierte.