Und dann ist Ruhe. Kaum eine Meldung läuft mehr über die News-Ticker. Die Büros, die Pulte der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) sind leer, die Mitarbeiter sind draußen, in der Gasse: Streik! Gewerkschafter in Leuchtwesten, Transparente und Trillerpfeifen. Sprechchöre.

Es sind denkwürdige Szenen, die sich am vergangenen Dienstag in Bern abspielen. Ein unbefristeter Streik, von Journalisten – und das in der Schweiz.

Denkwürdiges ist denn auch passiert: Die SDA gab Anfang des Jahres bekannt, sie müsse radikal Stellen streichen: Von 150 sollen 36 Redakteure verschwinden. Nicht nach und nach, abgefedert durch "natürliche Fluktuationen", wie das im euphemistischen Managersprech heißt. Nein, möglichst schnell wollen der Verwaltungsrat und sein CEO ihre Mitarbeiter loswerden.

Doch die SDA ist nicht irgendein Unternehmen. Sie ist die wichtigste Nachrichtenagentur der Schweiz. Sie ist die Chronistin des Landes. Ist ihre Redaktion zu klein, kann sie diese Aufgabe bald nicht mehr erfüllen. So wird befürchtet.

Deshalb fordern nun Politiker von links bis rechts: Der Staat muss einspringen!

Der sozialdemokratische Nationalrat Matthias Aebischer will, dass der Bund ein "starker Aktionär" wird, damit die Agentur "mit der jetzigen journalistischen Qualität überleben kann".

Der freisinnige Waadtländer Staatsrat Pascal Broulis möchte die SDA-Direktion treffen und über eine Unterstützung durch öffentliche Gelder sprechen: "Es geht um die cohésion nationale."

Der Staat soll eine Grundversorgung mit Nachrichten sicherstellen: Aber ist das seine Aufgabe – und wie aussichtsreich ist ein solches Vorhaben?

Auf den ersten Blick scheint es chancenlos. Die Verleger wehren sich seit Jahren wortstark gegen staatliche Hilfe. Anfang März entscheiden die Schweizer über die No-Billag-Initiative. Sie will weniger, nicht mehr Staat in der Medienbranche. Und bereits in der Herbstsession überwies das Parlament zwei Motionen, die für mehr Markt und weniger Regulierung sorgen sollen.

Gleichzeitig plant der Bundesrat ein neues Mediengesetz, das auch Online-Angebote erfassen soll. Aktivisten haben eine neue Lobbygruppe gegründet, Media Forti, die "ein Infrastrukturprogramm zur Stärkung des Journalismus" fordert. Und die vom Bundesrat eingesetzte, unabhängige Expertenkommission (EMEK) schreibt in einem kürzlich veröffentlichten Bericht: "Eine aktive Politik zur Gestaltung der Schweizer Medienlandschaft im öffentlichen Interesse ist möglich und kann sich auf legitime öffentliche Interessen stützen." Vom Schwurbel befreit, bedeutet das: Politiker, macht was! Unseren Segen habt ihr.