Es ist ein Luxus, von dem viele ihrer Kolleginnen in den anderen Kinderkrippen nur träumen: ein Ort, an dem sie sich nicht darum kümmern müssen, was in ihren Gruppen gerade passiert, bei den "Bären", den "Papageien" oder den "Kängurus". Ein Raum, in den sie sich für 30 oder 45 Minuten zurückziehen können, je nachdem, wie lang ihre Pause dauert. Ein Tisch, auf dem auch mal ein halb aufgegessener Panettone liegen bleiben darf.

Jelena Valdivia weiß um die Privilegien, die sie genießt. Hier in der Tagesstätte der Stiftung GFZ in Zürich-Altstetten, wo Kinder ab drei Monaten bis zum Kindergarteneintritt betreut werden. Von halb sieben Uhr morgens bis sechs Uhr abends.

Jelena Valdivia weiß auch, dass ihre Arbeitgeberin, der ehemalige Gemeinnützige Frauenverein, ihr Engagement unterstützt. Aber während der Arbeitszeit über Missstände in ihrem Beruf sprechen? Nein, das würde sie nie. Sie stempelt aus.

Die 31-jährige Zürcherin gehört zu den dienstältesten Kinderbetreuerinnen in der Schweiz. Vor zwölf Jahren hat sie als eine der ersten die damals neu geschaffene, dreijährige Berufslehre "Fachfrau Betreuung" (Fabe) gemacht. Und dass sie nach so langer Zeit noch nicht um- oder ausgestiegen, sondern zur stellvertretenden Kita-Leiterin aufgestiegen ist, das ist eine Seltenheit.

"Wir können nicht warten, bis jemand kommt und die Dinge für uns in die Hand nimmt."
Jelena Valdivia

Sie blieb nicht nur, weil ihr der Job, die Arbeit mit den Kindern gefällt. Nein, Jelena Valdivia hat eine Mission: Sie will in dieser Branche etwas bewegen, etwas verändern.

Jelena Valdivia gehört zum Kern einer Gruppe, die sich "Trotzphase" nennt. Mit Unterstützung der Gewerkschaft VPOD und zusammen mit immer mehr Frauen und einer Handvoll Männern kämpft sie für bessere Arbeitsbedingungen im Betreuungswesen. "Ich hatte es satt, jeden Abend frustriert mit Kolleginnen zu jammern und am nächsten Tag wieder zur Arbeit zu gehen, als ob nichts wäre", sagt sie. "Wir können nicht warten, bis jemand kommt und die Dinge für uns in die Hand nimmt." Dass das klar sei, schiebt sie nach, während sie in der kleinen Küchennische des Pausenraums zwei Tassen Kaffee aufgießt: Sie kämpfe heute nicht mehr so sehr für sich selbst. Schließlich sei sie an ihrer jetzigen Stelle, wenn auch nicht wunschlos glücklich, so doch zufrieden. "Ich kämpfe auch für die anderen."

353 Millionen Franken hat der Bund in den vergangenen 14 Jahren in die Kinderbetreuung investiert. 54.000 neue Krippenplätze sind entstanden. Somit können heute Ingenieure, Juristinnen, Lehrer und Grafikerinnen in hohen Pensen weiterarbeiten – auch wenn sie Kinder bekommen.

Aber dass diese staatlich geförderte, gleichberechtigte Elternschaft einen Preis jenseits der hohen monatlichen Krippenkosten hat, das ist vielen Vätern und Mütter nicht bewusst.

Dabei ist es kein Geheimnis, dass die Qualität der Kinderbetreuung in der Schweiz häufig zu wünschen übrig lässt. Darunter leiden nicht nur die Kinder der Berufstätigen, sondern auch die Tausenden von Frauen, die sie betreuen. 2014 zeigte eine Studie im Auftrag der Stadt Zürich, wie hart das Geld in den Kinderkrippen verdient wird. Da ist von "unhaltbaren" Arbeitsbedingungen die Rede. Von kranken Mitarbeitern, die nicht ersetzt werden, von offenen Stellen, die monatelang vakant bleiben. Zum Zeitpunkt der Umfrage gab es in der Stadt Zürich nur in zwei von zehn Krippen genügend Personal. Um die Buchhaltung zu optimieren, werden mehr Kinder aufgenommen, als vorgesehen sind.

Für die Betreuerinnen heißt dies: mehr Stress, mehr Arbeit, mehr Belastung. Kein Wunder, gibt es in vielen Krippen kaum Personal, das den Betrieb seit Jahren kennt. Die Zürcher Studienautorin stellte bei ihren Befragungen fest, dass 80 Prozent der Gruppenleiterinnen und der ausgebildeten Miterzieherinnen noch keine zwei Jahre im Betrieb war.