Wird der kommende Montag den Anfang vom Ende der teuersten Forschungsstätte der Menschheit markieren? Es wird erwartet, dass Donald Trump der Internationalen Raumstation ISS dann den Geldhahn zudreht. Ende Januar zitierte die Nachrichtenwebsite The Verge aus einem Entwurf für den nächsten US-Bundeshaushalt, demnach soll die Finanzierung zum Jahr 2025 enden. Bereits im Nasa Transition Act aus dem vergangenen Jahr hatten die Republikaner der Raumfahrtbehörde aufgetragen, den Betrieb der Station zu kommerzialisieren (also unabhängiger von Steuerdollars zu machen).

Mit einer Schließung der ISS ließe sich eine Menge Geld sparen, bis heute hat sie über 100 Milliarden Dollar verschluckt. Seit dem Jahr 2000 ist die Station kontinuierlich besetzt. Rund 230 Raumfahrer aus knapp 20 Nationen haben den 420 Tonnen schweren Außenposten in 400 Kilometer Höhe besucht. Gerade feiert die Europäische Weltraumagentur Esa den zehnten Geburtstag ihres Weltraumlabors Columbus, das am 11. Februar 2008 an die ISS angekoppelt wurde. Da aber Experimente aus Medizin oder Mikrobiologie, Physik oder Werkstoffforschung im Orbit auch nicht laienverständlicher sind als auf Erden, taucht die Station in den Nachrichten vor allem dann auf, wenn es Probleme gibt. Bevor Anfang Juni der deutsche Esa-Astronaut Alexander Gerst für ein halbes Jahr das Kommando der Station übernimmt, dürfte also die Diskussion über ihre Zukunft aufflammen.

Die USA kostet der Betrieb des Weltraumlabors drei bis vier Milliarden Dollar im Jahr. Dass die Regierung das als lästige Verbindlichkeit betrachtet, überrascht nicht – schließlich will sie möglichst bald Menschen auf den Mond und irgendwann zum Mars bringen. Doch auch unabhängig von Trump rückt das Ende der ISS näher. Denn die anderen Partner (neben der Esa sind das die Japaner, die Russen und die Kanadier) haben sich ebenfalls nicht über 2024 hinaus festgelegt. "Jedes Mal, wenn es um die Verlängerung der ISS geht, kommt dieselbe Debatte darüber auf, ob die USA weiter mitmachen sollen", sagt Joanne Gabrynowicz, Direktorin am Internationalen Institut für Weltraumrecht in Paris. Am Ende habe bisher immer das "fachkundige Urteil von Forschern, Diplomaten und Außenpolitikexperten" die Oberhand behalten. Sprich: Die Finanzierung des Labors im erdnahen Weltall wurde verlängert.

Dass es auch diesmal so laufen wird, ist nicht garantiert. Aber auch die Nasa nährt die Hoffnungen. Das klingt aus ihrer Antwort auf die Anfrage der ZEIT heraus: Klar, "durchgesickerte oder nicht beschlossene Dokumente" wolle man nicht kommentieren, der offizielle Haushaltsentwurf werde für den 12. Februar erwartet. Gleichzeitig betont die Nasa-Sprecherin Cheryl Warner: "Die Nasa und die ISS-Partner bekennen sich zur wissenschaftlichen und technischen Forschung im orbitalen Labor, da dieses die Basis dafür ist, die menschliche Präsenz ins All auszudehnen."

Doch selbst wenn es noch einmal einen Aufschub geben sollte, läuft das Mindesthaltbarkeitsdatum der ISS 2028 ab. Die ältesten Module werden dann 30 Jahre in Betrieb sein. Und dann ist da noch das Taxi-Problem. Einzig russische Sojus-Raumschiffe können derzeit Menschen zur ISS bringen. Ab Ende 2018 sollten die US-Firmen Boeing und SpaceX bemannte Zubringerflüge mit US-Astronauten starten, beide werden aber von Verzögerungen geplagt.

Ausgerechnet China wäre der große Gewinner eines frühen ISS-Endes. Erstens wäre die Schmach aus der Welt, dass der US-Kongress einst den Chinesen die Teilnahme am Weltprojekt ISS verweigert hatte. Zweitens wäre dann die nächste Raumstation Chinas, der Nachfolger der aktuellen Station Tiangong 2, das einzige bemannte Labor im Orbit (wenngleich ein deutlich kleineres als die ISS). Eine Einladung hat Peking schon ausgesprochen: Ausländische Projekte und Astronauten seien willkommen. Auch Amerikaner werden sich dann bewerben können – für einen Besuch auf der "CSS".