Selbst in der Kirche kommt die Wahrheit nicht immer nur durch eine Offenbarung ans Licht, manchmal reicht ein Blick in die Bücher, um das Dunkel zu erhellen. Die Bistümer wollten das erst spät einsehen: Erst der Druck, der durch den Finanzskandal um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst entstanden war, hat einige Diözesen zu einer "Transparenzoffensive" ermutigt. Sie kündigten an, ihre Buchhaltung zu modernisieren, sie von Fachleuten prüfen zu lassen und sie teilweise sogar offenzulegen.

Die Schulschließungen in Hamburg sind eine Folge davon, eine andere ist der nun aufgedeckte Skandal im Bistum Eichstätt: Die Diözese hat, wie Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR ergaben, in mehr als 30 Fällen Kredite für Bauvorhaben in den USA vergeben, ohne diese etwa durch eine Grundschuld abzusichern. Allein die bisherigen Ausfälle oder Zahlungsrückstände liegen bei umgerechnet etwa 16 Millionen Euro, die Staatsanwaltschaft München beziffert die Schadenssumme sogar auf umgerechnet etwa 48 Millionen Euro – ein Sechstel des gesamten Anlagevermögens des Bistums. Verantwortlich sei ein Geistlicher "ohne tiefer gehende wirtschaftliche Kenntnisse". Den Diözesanvermögensverwaltungsrat, der ebenfalls überfordert gewesen sei, habe die Diözese inzwischen neu überwiegend mit Wirtschaftsexperten besetzt.

Die Kirchensteuereinnahmen werden in den nächsten zehn Jahren um bis zu 30 Prozent zurückgehen, so die Prognosen. Das allein würde die kirchliche Landschaft hierzulande grundlegend verändern. Größeren Schaden aber könnte die Kirche nehmen, wenn sie weiter wie früher das Vertrauen ihrer Gläubigen durch Verschleierung von Misswirtschaft, Fehlkalkulation und Veruntreuung verspielen würde. Transparenz schmerzt zwar bisweilen, weil sie unangenehme Wahrheiten ans Licht bringt. Gerade deshalb aber ist sie die Grundlage für neues Vertrauen.