Meine erste Flosse war aus Neopren und hatte einen Reißverschluss. Ich habe sie mit roter und schwarzer Latexfarbe bemalt. Leider gibt Neopren Auftrieb, sodass ich mir immer Gewichte um die Fußgelenke kletten musste. Inzwischen performe ich in maßgeschneiderten Silikonflossen. Die sind flexibel und dehnbar, liegen aber auch eng an. Um hineinzuflutschen, muss ich mir die Beine einschmieren. Ich nehme Kokos- oder Olivenöl.

Silikonflossen wiegen bis zu 15 Kilo. An Land fühle ich mich damit wie ein Walross. Im Wasser aber kann ich mich plötzlich drehen und wenden. Ich schwimme im Delfinstil, einer Ganzkörperbewegung, die sich von den Schultern über die Brust wie eine Welle durch den ganzen Körper zieht.

Als ich mich 2012 zum ersten Mal in eine Nixe verwandelte, arbeitete ich schon als Tauchlehrerin und Model in Thailand. Meine Agenturen in Phuket und Bangkok schickten mich dann zu Unterwassershootings im ganzen Land. Modehersteller werben mit mir für Bikinis, Reiseveranstalter für Tauchreviere. Sogar für Fernseher habe ich schon geworben, und auf Kreuzfahrtschiffen unterhalte ich die Poolgäste. Daneben engagiere ich mich auch für den Meeresschutz und bin für eine australische Haischutzkampagne mit Tigerhaien getaucht.

Ich bin immer noch eine Ausnahme unter den Profinixen, weil ich auch mal 20, 30, 40 Meter unter Wasser arbeite – das machen die wenigsten. Als Meerjungfrau trage ich weder Taucherbrille noch Luftflasche. Ich kann bis zu dreieinhalb Minuten die Luft anhalten. Wenn ich länger unten bleibe, dann ist immer ein Sicherheitstaucher in der Nähe und gibt mir auf mein Zeichen Druckluft. Nach so einem Shooting sehen meine Augen aus, als hätte ich eine Nacht durchgeheult.

Oft komme ich mit Kratzern von Riffen oder Korallen wieder nach oben, und auch von Quallen kann ich ein Lied singen. Ich bin oft unterkühlt, und an Wasser in Nase und Nebenhöhlen werde ich mich wohl nie ganz gewöhnen.

Meerjungfrau werden wollte ich, seit ich mit fünf Jahren zum ersten Mal Arielle gesehen hatte. Die Leichtigkeit, mit der dieses Wesen durchs Wasser tanzte, faszinierte mich. Damals habe ich oft meine Beine über Kreuz gelegt und hoffte, dass sie zu einer Flosse zusammenwachsen. Ich konnte gar nicht verstehen, warum Arielle lieber ein Mensch sein wollte.

Wenn Sie in unserer Rubrik berichten möchten, "Wie es wirklich ist", melden Sie sich bei uns: wirklich@zeit.de

Protokoll: Daniel Kastner