Es gibt Gedanken, die versucht man zu unterdrücken wie einen Schluckauf. Weil man nicht sicher ist, ob es okay ist, sie zu haben. Neulich versuchte ich den Gedanken zu vertreiben, dass die Monarchie irgendwie besser ist als die Demokratie. Würdevoller und auch seriöser. Ich habe meinen Kopf von rechts nach links gedreht, ihn gesenkt und geschüttelt, doch der Gedanke wollte nicht gehen.

Prinz Harry, dieser Goldjunge, der inzwischen voll in der Spur ist und nicht mehr in Hakenkreuz-Uniform auf irgendwelchen Partys erscheint, ist verliebt – so sehr, dass er sich verlobt hat und im Mai heiraten wird.

Seine Verlobte, Meghan Markle, amerikanische Schauspielerin, coole Frau, legt sich in diesen Tagen mit dem Protokoll an, weil sie die seltsame Regel nicht akzeptieren will, dass bei einer royalen Hochzeit so ziemlich jeder eine Rede halten darf außer der Braut.

Sie wird sich durchsetzen und ihre Rede halten, jede Wette. Der Palast wird mal wieder genug Zeitgeist hereinlassen. Wie sehr das Königshaus die Kunst der Wandlung beherrscht, ist momentan in der Netflix-Serie The Crown zu bestaunen, die ich empfehle.

Als Queen Elizabeth zu Beginn ihrer Regentschaft von der National and English Review für ihre versnobte Britishness zerrissen wurde, da reagierte sie mit Reformen. Sie führte eine weihnachtliche TV-Ansprache ein und Palastempfänge für Leute aus dem Volk. Sie lenkte aus dem Hintergrund, korrigierte, nordete ein, empfing den Premier in wöchentlichen Audienzen. So ging man Schritt für Schritt in die Zukunft, voller Orientierung und Stolz. Und so geht man noch heute. Ganz anders die gewählten Vertreter des Landes, die stolpern nur noch.

Der britische Humor ist ja bekannt für seine Albernheit, für den Quatsch von Monty Python. Doch der beste Witz, den Großbritannien in jüngster Zeit hervorgebracht hat, ist der Brexit. Man könnte es Slapstick-Demokratie nennen: eine Aneinanderreihung von Zufällen, Ungeschicktheiten, von ungestümen Richtungswechseln. So planvoll und elegant ist sonst nur Mr. Bean beim Versuch, seinen Mini einzuparken. Entweder ist die Parklücke zu eng, und er kriegt die Tür nicht mehr auf. Oder er schiebt ein anderes Auto weg, das dann umkippt. Und wir?

Haben immer noch keine Regierung, man merkt es kaum noch. Die Augenringe von Martin Schulz werden dunkler, seine Bewegungen langsamer, schläft er überhaupt noch? Vielleicht ist er sogar so erschöpft, dass sein phänomenales Umfallen im Sekundenschlaf passierte: Vor Kurzem schloss er noch kategorisch aus, Minister unter Merkel zu werden, und jetzt erwägt er das genaue Gegenteil. Demokratie als müdes Wanken.

Na ja, und dann noch dieser andere Typ. Der lässt einen wirklich am demokratischen Prinzip zweifeln, dass jeder, einfach jeder, Macht haben kann. David Axelrod, der einst Berater war bei Obama, twitterte neulich ein Bild von Donald Trump: der Präsident mit America great again-Kappe an seinem Schreibtisch im Oval Office, vorgebeugt und umständlich den Telefonhörer haltend. Warum sieht dieser Mann, so fragte Axelrod, nur aus wie ein Rentner, der bei einer Führung durchs Weiße Haus mal den Schreibtisch ausprobieren will? Und da sah man sofort eine Verwechslungskomödie vor sich: Ein pensionierter Immobilienmakler aus New York gerät als Tourist ins Weiße Haus und wird plötzlich für den Präsidenten gehalten.

Darf Demokratie so lustig sein? Oder ist sie dann lächerlich?

Dieser Typ hat übrigens noch keine Einladung erhalten für das, was am 19. Mai in der Kapelle von Windsor Castle geschieht. Dort wird das Königshaus nicht nur eine Hochzeit feiern, sondern das irrsinnige Prinzip, dass Macht – wenn auch nur sanfte – durch Heirat und Geburt übertragen wird.

Dieser Irrsinn bringt halt den kleinen Vorteil mit sich, dass ein Monarch die Macht nicht nach Belieben erobern, benutzen und wegwerfen kann, sondern sie ein Leben lang zu tragen hat, wie seine Segelohren.