Es gibt zahlreiche Beispiele für Tiere mit einem außerordentlichen Orientierungssinn, man denke nur an Brieftauben. Aber Schnecken? Können diese simplen Tiere aus großer Entfernung den Garten wiederfinden, aus dem ein mitfühlender Gärtner sie entfernt hat, statt sie umzubringen?

Diese Frage hat vor einigen Jahren in England zu einer Bürger-Forschungsaktion geführt, man nennt das auch citizen science. Eine Hobbygärtnerin namens Ruth Brooks wandte sich an die Fernsehsendung Material World auf BBC Four mit der Bitte, sie bei einem Experiment zu unterstützten.

Der Sender rief unter dem Motto The Great Garden Snail Swap die Gärtner im ganzen Land auf, mit ihren Nachbarn Schnecken zu tauschen. Die Teilnehmer sammelten an einem Fleck in ihrem Garten Schnecken und markierten die Gehäuse mit Nagellack. Der Nachbar tat das Gleiche, benutzte natürlich eine andere Farbe. Dann wurden die Schnecken im fremden Garten ausgesetzt. Die Teilnehmer maßen die Entfernung zwischen den beiden Stellen und notierten akribisch, wie viele Schnecken in welcher Zeit nach Hause fanden.

Im Internet berichten die Gärtnerin und ihr wissenschaftlicher Berater von den Resultaten. Leider verschweigen sie, wie viele Menschen teilgenommen haben. Die Schnecken kehrten jedenfalls aus bis zu zehn Metern recht verlässlich zurück, bei größeren Entfernungen waren die Ergebnisse nicht eindeutig. Zehn Meter, das klingt vielleicht nach wenig – aber für eine Schnecke ist das eine Tagesreise.

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