Fast jeden Monat fordert jemand ein neues Unterrichtsfach. Bildungsministerin Johanna Wanka sprach sich einmal für "Alltagswissen" aus, das Deutsche Rote Kreuz für "Erste Hilfe", und auch "Benehmen" oder "Dialektförderung" wurden schon ins Spiel gebracht. "Wenn wir allen Wünschen nachkämen, wären wir schnell bei einer 80-Stunden-Woche für Schüler", erklärte das sächsische Kultusministerium.

Das klingt, als solle sich gar nichts ändern. In einer Welt, die sich so rasant verändert wie selten. Durch die Digitalisierung verschwinden Berufe, andere entstehen. Durch die Globalisierung wird Wissen über Wirtschaft wichtiger. Doch wo spiegelt sich das in den Schulen wider?

Die Frage, was zukünftig wichtig sein wird, ist seit je auch ein Wettstreit konkurrierender Interessen. So erhielt Mathematik schon in der preußischen Volksschule mehr Stunden als Musik. Schließlich wurden im 19. Jahrhundert geometrische Kenntnisse zum Vermessen von Städten und Feldern benötigt. Allerdings zeigt das Verschwinden von "Handarbeit", dass sich der Fächerkanon durchaus verändert.

Die Kultusministerien stehen vor einem Dilemma: Wer ein neues Fach einführen möchte, muss entweder die Zahl der Unterrichtsstunden erhöhen oder andere Fächer reduzieren. Lehrerverbände und Bildungsminister schrecken daher vor neuen Fächern zurück.

Die meisten Länder versuchen zusätzliche Lerninhalte auf bestehende Fächer zu verteilen oder neue Mischfächer zu schaffen. Eine Notlösung, die oftmals dazu führt, dass die neuen Inhalte nur am Rande behandelt werden. Dabei gibt es durchaus Lücken: So hat Bayern etwa die Rückkehr zu G9 genutzt, um Informatik zum Pflichtfach zu machen. Ein Anfang, immerhin.

Wirtschaft

Um kein anderes Fach wird so viel gerungen wie um ein eigenständiges Fach "Wirtschaft". Unternehmen, Wirtschaftsverbände, Banken und Industrie- und Handelskammern argumentieren, dass Schule ohne Wirtschaft nicht auf das Leben vorbereite. Eine repräsentative Studie der ZEIT fand heraus, dass in Deutschland vor allem Menschen mit geringem Bildungsstand, aber auch Frauen und Junge wenig über Wirtschaft wissen. Dennoch warnen Gewerkschaften und Sozialwissenschaftler vor einem zu großen Einfluss der Wirtschaftsverbände, wenn "Wirtschaft" losgelöst von anderen Lebensbereichen unterrichtet würde. Darin, dass das Wissen um ökonomische Zusammenhänge in die Schule gehört, sind sich aber alle einig. Unter Lehrern und Forschern gilt dieses Fach als jenes, das von allen Vorschlägen der vergangenen Jahre die besten Chancen auf eine flächendeckende Einführung hat.

In Bayern und Baden-Württemberg ist es sogar schon ein eigenständiges Pflichtfach. In Nordrhein-Westfalen soll es bald kommen. In Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gibt es das Fach "Wirtschaft" teilweise. In den meisten Ländern ist die Ökonomie Teilbereich eines Mischfachs. In Berlin, Bremen, Brandenburg etwa als "Wirtschaft-Arbeit-Technik", in Hamburg als "Politik-Gesellschaft-Wirtschaft", in Hessen als "Politik und Gesellschaft". Die flächendeckende Einführung scheitert bisher auch am Personal: Vollwertige Ökonomen gibt es unter Lehrern nur wenige. Neue Studienangebote könnten das aber ändern.

Feuerwehr

An der Emil-Barth-Realschule in Haan gibt es das Wahlpflichtfach "Feuerwehr". Dort lernen Schüler, ein Feuer zu löschen, verletzte Menschen aus einem Auto zu befreien, und machen einen Erste-Hilfe-Kurs.

Facebook

Dass Medienkompetenz in Zeiten sozialer Netzwerke auch Teil der Schulbildung sein muss, ist unumstritten. Die Kultusministerkonferenz definiert Medienbildung als Querschnittsaufgabe. Ein eigenes Fach findet sich so gut wie nirgends. In Bremen gibt es das Fach "Medien" auf Antrag, in Baden-Württemberg gibt es einen Basiskurs "Medienbildung", in Hamburg kann "Medien" teilweise als Wahlpflichtfach angeboten werden.