Eine deutsche Versicherung beglückte im Dezember 2015 Klimaschützer mit einem Versprechen. Die Allianz kündigte vor der UN-Klimakonferenz in Paris an, sie verpflichte sich "den Klimaschutz in ihr gesamtes Geschäft (...) zu integrieren". Das Unternehmen wolle unter anderem aus der Finanzierung von Kohlegeschäften aussteigen. Noch heute kann man die Meldung auf der Allianz-Homepage lesen.

Tatsächlich wurde die Versicherung nach dieser Ankündigung zum Vorreiter beim Klimaschutz. Andere Unternehmen orientierten sich an ihr. So kündigte erst 2017 die Münchener Rück an, nicht mehr in Unternehmen zu investieren, die mehr als 50 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle erwirtschafteten.

Umso mehr überrascht nun ein neuer Bericht von Unfriend Coal, einem Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace und Urgewald. Er wird an diesem Donnerstag veröffentlicht, die ZEIT konnte ihn vorab einsehen.

Mithilfe einer EU-Datenbank wurde erhoben, welche Aufträge europäische Versicherer in den vergangenen Jahren annahmen. "Deutsche Versicherungen sind maßgeblich am Kohlesektor in Polen beteiligt", sagt Moritz Schröder von Urgewald. Die Allianz hat dem Bericht nach mindestens neun Verträge mit polnischen Kohlefirmen. Die Ergo Hestia, eine Tochterfirma der Münchener Rück, sogar zwölf. "Die Allianz und die Münchener Rück belasten die Klimabilanz der EU massiv", sagt Schröder, "denn ohne eine Versicherung kann kein Kohlekraftwerk gebaut und keine Mine eröffnet werden."

Gegenüber der ZEIT verweist die Münchener Rück an die Ergo, die sich aber dazu nicht äußert. Die Allianz bestätigt ihre Geschäfte in Polen. "Wir prüfen Versicherungsgeschäfte hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit. Das schließt aber nicht aus, dass wir Kohlekraftwerke versichern", sagt eine Sprecherin und ergänzt: "Es ist verständlich, wenn NGOs fordern, man solle sich aus der Kohle zurückzuziehen. Aber das Versicherungsgeschäft ist sehr komplex. Manche Verträge laufen bereits seit Jahren, da kann man nicht so leicht aussteigen."

Andere Projekte wiederum sind ganz jung. In der Stadt Opole unweit der tschechischen Grenze zum Beispiel wird derzeit das größte neue Kohlekraftwerk in Europa gebaut. Versicherer des Baus ist dem Unfriend-Coal-Bericht zufolge unter anderem die Ergo Hestia. Und die Allianz.