Lisa Banholzer kuratiert ihren Instagram-Account wie eine Fotoausstellung © Instagram

Dann zückt sie ihr Handy und nimmt ein Video auf: "Hallo, Leute, gleich geht es los mit der Hugo-Show! Alle Teile sind erhältlich bei Hugo, Teile davon auch exklusiv bei Zalando." Sie selber trägt weiße Turnschuhe, einen Minirock und eine Jacke mit Leopardenmuster, alles von Hugo Boss, alles von Sponsoren zur Verfügung gestellt.

Im Gehen postet sie das Video auf Instagram, dann betritt sie einen in rotes Licht getauchten Raum, in der Mitte der Laufsteg. Banholzer und Trutschnig nehmen in der ersten Reihe Platz, neben Modejournalisten, Modefotografen, wichtigen Menschen aus der Modeindustrie. Für sie ist in dieser Welt der roten Teppiche und Backstagebändchen immer ein Platz reserviert.

Dabei ist Lisa Banholzer in der Welt der Influencer nicht einmal ein Schwergewicht. Sie hat 132.000 Follower auf Instagram, weit weniger als Superstars wie Caro Daur, die ebenfalls über Mode postet und mehr als eine Million Fans hat. Banholzer bekommt, so sagt sie selbst, für ein Foto, das sie ins Internet stellt, 1.500 Euro. Für ein Video, das sich auf Instagram nach 24 Stunden automatisch löscht, sind es 1.000 Euro. Pro Tag veröffentlicht Banholzer auf ihrem Account @blogger_bazaar in der Regel ein Foto und 15 bis 30 Videos. Nicht alle werden bezahlt. Aber viele.

Als die Modenschau von Hugo Boss beginnt und Models zu lauter Techno-Musik über den Laufsteg staksen, filmt Lisa Banholzer und postet gleich das Video: "Shop all looks now." Dazu ein Link zu den Online-Stores von Zalando und Hugo Boss. Im Sekundentakt ploppen auf ihrem Smartphone die Kommentare auf:

"Geil"

"mega"

"sehr guter content"

"omg"

"yes I need"

Für ihre Follower präsentiert sich Lisa Banholzer als gut gelaunte Frau, die alles, was ihr so zustößt, abwechselnd "mega-" oder "supergeil" findet. Trifft man sie in ihrem Büro in Berlin-Mitte, hat man das Gefühl, einer anderen Person zu begegnen. Ruhig, nachdenklich. Bevor sie auf eine Frage antwortet, nimmt sie sich ein paar Sekunden Zeit, um ihre Worte zu wägen.

Banholzer kommt aus einem Dorf in Baden. Ihr Vater ist IT-Manager, ihre Mutter evangelische Religionslehrerin. Vor vier Jahren, sie studierte VWL und Publizistik in München und dachte daran, später einmal in der politischen Kommunikation zu arbeiten, rief sie gemeinsam mit Tanja Trutschnig ein Mode-Blog ins Leben, sie nannten es Blogger Bazaar. Sie veranstalteten Flohmärkte in München, Hamburg und Berlin, 1.000 Gäste kamen, die Presse berichtete. Es schien sich alles von selbst zu ergeben. Banholzer verdiente sehr schnell so viel Geld, dass sie ihr Studium abbrach. Sie und Trutschnig kamen auf die Idee, eine Villa auf Ibiza zu mieten und zehn berühmte Influencer einzuladen. Unternehmen rissen sich darum, diese Reise zu sponsern, damit die Influencer viele Party- und Sommerfotos auf Instagram posteten. Bald war Lisa Banholzer selber eine Influencerin.

Anfangs sei sie noch unsicher gewesen, wie sie sich auf Instagram darstellen solle, erzählt Banholzer. Sie probierte Posen aus, suchte ihre Rolle. Sie legte die Scheu ab, unter Menschen ein Video von sich aufzunehmen. Die Zahl ihrer Follower auf Instagram wuchs, und Lisa Banholzer gefiel es, gesehen und bewundert zu werden. Sie spürte die Sehnsucht nach dem fremden Blick.

Bald hatte sie verstanden, was ihre Follower in ihr sehen wollen: die große Schwester oder gute Freundin, auf die man mit einer Mischung aus Neugier und Bewunderung blickt, weil sie ein wenig cooler ist als man selbst.