Michel Abdollahi hat sich verspätet, er kommt ins Restaurant geeilt. Die Kleidung aber sitzt tadellos: Im Jackett trägt er ein gepunktetes Einstecktuch. Der Ort des Treffens, das Restaurant Schönes Leben in der Speicherstadt, war die Wahl seines Managements. Er selbst hat gerade zu viel zu tun. Ende März startet seine neue Late-Night-Show "Der deutsche Michel" im Nachtprogramm des NDR.

DIE ZEIT: Herr Abdollahi, wie stehen Sie zu Geld?

Michel Abdollahi: Ohne Geld geht’s nicht.

ZEIT: Haben Sie genug?

Abdollahi: Genug, um zufrieden zu sein.

ZEIT: Sie sind Moderator beim NDR, Journalist, Conférencier. Welcher Ihrer Jobs nimmt am meisten Zeit ein?

Abdollahi: Meine neue Late-Night-Show. Ich bin zeitweise Protagonist, Autor, Redakteur und Produzent in einem. Und ich trage als Chef die Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern.

ZEIT: Mögen Sie Arbeit?

Abdollahi: Ja, ich liebe Arbeit. Ich habe viele Jahre lang darauf hingearbeitet, das zu machen, was ich gern machen möchte.

ZEIT: Womit verdienen Sie gerade am meisten Geld?

Abdollahi: Schwer zu sagen. Wenn es für etwas wenig Geld gibt, ich aber zehnmal so viel Spaß daran habe, dann mache ich es.

ZEIT: Wie die Poetry-Slam-Reihe "Kampf der Künste"?

Abdollahi: Die macht unheimlich viel Spaß. Die Slams mache ich seit knapp 20 Jahren.

ZEIT: Und verdienen damit ...?

Abdollahi: Kommt drauf an, wie viele Veranstaltungen ich habe. Was ist das Durchschnittseinkommen? 1.800 Euro netto? Mit den Slams liege ich vielleicht knapp darüber. "Kampf der Künste" ist eine gemeinnützige GmbH, wir geben nahezu alles, was wir haben, an die Künstler weiter, für Gagen, Fahrtkosten und Unterkunft. Nicht alle Veranstaltungen rentieren sich, und im Zweifel geht das Geld immer an die Künstler.

ZEIT: Wie viel Arbeitszeit stecken Sie in die Slams?

Abdollahi: Wenig. Ich springe auf die Bühne und fertig. Ich mache das ja schon ein paar Jahre, da bereitet man sich nicht mehr akribisch vor. Als wir das gestartet haben, war das anders. Und es gab dafür null Euro.

ZEIT: Hatten Sie ein Ziel vor Augen?

Abdollahi: Überhaupt nicht. Es war ein Hobby. Spaß. Ein Ausgleich zur Uni und zu den Nebenjobs, die ich sonst noch gemacht habe.

ZEIT: Welche waren das?

Abdollahi: Ich habe in einem Biberkostüm vor einer Bank gestanden, habe Flyer verteilt, Zeitschriftenregale sortiert. Ich war Weihnachtsmann. Das Kostüm habe ich noch perfektioniert.